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Allgemeine Fakten zu Leben und Menschen hier in Padang:
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Die Menschen
Die Leute hier unterscheiden sich vollkommen von Europäern. Sie sind unglaublich aufgeschlossen, immer am reden oder singen. Jeder spricht einen auf der Straße an, es ist hier ganz normal, ein Schwätzchen mit irgendeinem Fremden zu halten. Die Menschen scheinen zufrieden zu sein mit ihrem Leben, auch wenn sie nicht viel besitzen. Sie leben viel mehr draußen als drinnen, viele verbringen den ganzen Tag draußen. Leider haben wenige einen richtigen, festen Job. Die meisten leben davon, Essen auf der Straße zu verkaufen. Wirklich nur eine Minderheit war jemals außerhalb von Indonesien, viele haben noch nie die Stadt verlassen. Die Leute kennen nichts anderes und reagieren deshalb auch so auf Ausländer, wenn dann mal einer in der Stadt ist.
Was mich stört, ist die fehlende Privatsphäre. Die Familien hier sind sehr groß, viele Kinder ist hier ein Zeichen von Wohlstand. Meine Familie hat 4 Kinder und im Moment wohnt noch die Großmutter mit im Haus. Es ist überhaupt nicht üblich, dass Mädchen und Jungen in einem Raum schlafen, deshalb hat der einzige Sohn der Familie sein eigenes Zimmer und ich teile mir im Moment mit zwei der Töchter und der Großmutter ein Zimmer. Rücksicht ist hier auch nicht an der Tagesordnung, wenn der erste aufsteht zum Beten um 5 Uhr morgens wird das Licht angemacht und im selben Raum gebeten, in dem andere noch schlafen. Was man wirklich hervorheben muss, ist, wie hilfsbereit man hier gegenüber Mitmenschen ist. Selbst wenn man wenig hat, wirft man hier einem Bettler etwas in den Hut, anderen geht es schließlich noch schlechter.
Eine Sache ist auch sehr befremdlich, nämlich das die meisten Leute hier an Geister glauben. Viele löschen nie das Licht im Haus, auch nicht zum Schlafen, weil sie Angst vor Geistern haben.
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Religion
Ich bin hier wohl in einer der konservativsten Städte Indonesiens gelandet, Religion ist unglaublich wichtig. In Indonesien ist es Gesetz, das jeder Bürger einer Religion angehören muss, über 90 Prozent sind dem Islam zugehörig. Die meisten Frauen tragen Kopftuch und kleiden sich sehr konservativ, Hose oder Rock über Knie und bedeckte Schultern sind Pflicht. Gebetet wird fünfmal am Tag, das erste Mal etwa um fünf Uhr morgens. Was für mich am Anfang sehr gewöhnungsbedürftig war: Die Leute packen einfach irgendwo ihren Teppich aus und beten, egal was gerade um sie herum geschieht. Sei es, dass man sich gerade auf einer Hochzeit befindet, andere nebendran essen oder sich lautstark unterhalten. Außerdem befinden sich über die ganze Stadt verteilt Lautsprecher, aus denen zu jeder Gebetszeit Gesang ertönt. In der Nacht ist das wirklich sehr störend und laut, daran kann ich mich schlecht gewöhnen. Neben unserem Schlafzimmer ertönt nachts um 5 Uhr das erste mal der Gesang, der zum Gebet aufruft. Wir Europäer haben hier wirklich Schwierigkeiten, wie wir am Besten unsere Freizeit verbringen sollen. Es ist schon ein Problem, wenn ein einzelner Junge mit 3 Mädchen zum Schwimmen gehen will. Leider gab es da schon ein paar Auseinandersetzungen, da die traditionellen Ansichten unserer Gastfamilien sehr von unserer europäischen Freizeitgestaltung abweichen. Eine Nacht außer Haus zu bleiben ist fast unmöglich und außer Bier gibt es hier kein Alkohol und dieses darf man nicht an öffentlichen Plätzen trinken.
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Essen und Trinken
Ich freue mich jetzt schon wie verrückt auf mein erstes „europäisches" Frühstück mit Brötchen, Marmelade, Wurst, Käse, etc! Hier gibt es sowas wie unterschiedliche Mahlzeiten zu unterschiedlichen Tageszeiten gar nicht. Man kann alles zu jeder möglichen Zeit essen, also auch morgens vor der Schule Fisch mit Reis. Aber ich muss sagen, mittlerweile hab ich mich an meine tägliche Dosis Reis gewöhnt. Vielleicht fehlt sie mir sogar, wenn ich wieder zuhause bin ;-) Die Gerichte hier sind wirklich lecker, aber eben nicht sehr abwechslungsreich und auch zu oft zu scharf. Auch komisch ist, dass die meisten hier zwar einen Kühlschrank besitzen, der wird aber nur zum Kühlen der Getränke verwendet und Essen wird draußen aufbewahrt, meistens auf dem Tisch, mit einem Tuch abgedeckt. Am Anfang hatte ich etwas Angst, dass das Essen so schnell verdirbt und ich evtl. Probleme mit dem Magen bekomme, bis jetzt ist aber noch nichts passiert.
Was super ist, ist die große Auswahl an verschiedenem Obst. Ich habe schon die verschiedensten Säfte probiert, Mango, Drachenfrucht, Papaya, Wassermelone, aber auch Früchte, die es bei uns überhaupt nicht zu kaufen gibt, wie etwa Sala oder Maquisa, meine Lieblingsfrucht hier. Schwer ist es, hier einen ungesüßten Saft zu bekommen. In alles wird zu viel Zucker reingehauen, ein Dessert im Restaurant ist auch meistens viel zu süß. Aber für 7 Wochen ist das Essen okay, solange ich danach wieder in mein Laugenbrötchen mit Salami beißen kann.
Sonstige Eigenarten und Traditionen in Padang:
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Es gibt keine Mülleimer... Der ganze Müll wird einfach auf die Straße geworfen. Entweder die Katzen und Ziegen essen ihn oder er wird verbrannt (stinkt fürchterlich).
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Die Jugend ist hier noch mehr Handy-süchtig als in Deutschland, ohne Blackberry scheint hier keiner überleben zu können. Man hört nur auf zu twittern und zu chatten, wenn man schlafen will :-D
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Jeder Weiße ist hier eine Attraktion. „Bule", „Hello Mister", „How are you" usw... höre ich mindestens 50 Mal am Tag, egal wo ich gerade vorbeilaufe. Manche laufen dir auch nach, wollen Fotos schießen oder dich mit ihrem Auto irgendwo hinfahren. Nach 6 Wochen muss ich doch sagen, dass das langsam aber sicher nervt.
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Der Straßenverkehr ist total verrückt, es gibt wenig Ampeln, wenig Verkehrsregeln und noch weniger Leute mit Führerschein. Jeder fährt wie er will. So viele Motorroller wie hier habe ich noch nie gesehen. Alle sind die ganze Zeit am Hupen, auch ohne erkenntlichen Grund. Und zu allem Überfluss herrscht auch noch Linksverkehr. Wenn man über die Straße will, ist das jedes Mal ein neuen Abendteuer.
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Die linke Hand darf man hier für fast nichts verwenden. Essen, Hände schütteln oder Geld überreichen wird immer mit der rechten Hand erledigt. Kurze Erklärung hierzu: Es gibt kein Toilettenpapier, nur Wasser. Was man mit der linken Hand macht, muss ich glaub nicht mehr erklären...
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Richtige Toiletten existieren so gut wie nicht. Normal sind Löcher im Boden und ein Eimer Wasser zum Nachspülen.
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Richtige Duschen gibt's auch nicht. Es gibt größere Becken mit kaltem Wasser, aus dem man mit einem kleinen Eimer schöpft. Ganz gut, wenn man verschwitzt ist, aber furchtbar morgens nach dem Aufstehen.
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Europäer wollen braun werden, Asianten wollen weiß sein. Sie meiden die Sonne so weit es geht. Sie kaufen keinen Selbstbräuner sondern Whitener. Helle Haut ist ein Zeichen von Reichtum, da man nicht draußen arbeiten muss.
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Ältere Leute begrüßt man, in dem man ihr Hand zum eigenen Kopf führt.
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Hier entscheidet so gut wie keiner in unserem Alter selbst, was sie studieren wollen, wann sie abends heim kommen, usw...Die Eltern haben einen großen Einfluss auf alles, auch wenn die Kinder schon über 20 Jahre alt sind. Der größte Wunsch, den die meisten hier haben, ist ihre Eltern glücklich und stolz zu machen.
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Hier ist sehr wichtig, was andere Leute über einen denken. Man will nicht von der Norm abweichen, sofort wird über dich geredet.
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Das Preisniveau ist unglaublich niedrig. Ein normales Essen im Restaurant mit Getränk kostet um die 3 Euro.
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Durch die Stadt bewegt man sich mit den Angkots. Eigenschaften: Laute Musik, viele Plüschtiere (siehe Bild), schnelle und ungemütliche Fahrweise, bis zu 15 Personen in einem Auto mit Platz für 8.
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Jede Art von Vertraulichkeit zwischen Mann und Frau darf nicht in der Öffentlichkeit gezeigt werden.
Das war erstmal alles, vieles fällt mir hier auch schon gar nicht mehr auf, man gewöhnt sich irgendwann an alles ;-)
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