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Heute war also endlich sowas ähnliches wie Weihnachten, mehr wusste ich von diesem Tag auch nicht so genau. Was ich wusste: Ramadan ist vorbei! Endlich! Wie haben das die anderen Trainees nur solange ausgehalten, den ganzen Monat lang? Man bekam tagsüber wirklich sehr schwer was zu essen, trinken war Gott sei Dank einfacher. Wenn man etwas zu essen fand, konnte man es nie an einem öffentlichen Ort essen, sondern musste ein stillen Plätzchen dafür finden. Jetzt darf wieder geschlemmt werden :-) Meine Gastfamilie hat also heute um 7 Uhr morgens in ihren Gebetsgewändern das Haus verlassen. Sie treffen sich dann an großen Plätzen, um dort gemeinsam zu beten. Ich hab das ganze dann im Fernsehen verfolgt, mit zum Gebet wollte ich eher nicht, hätte mich unwohl gefühlt dort. Es kommen wirklich hunderte von Menschen an verschiedenen Orten zusammen, rollen ihrem Teppich aus und beten. Nach der Rückkehr meiner Familie gab es den ganzen Tag so unglaublich viel zu essen...Reis, mit allem, was man sich vorstellen kann: Mit Fleisch oder mit Fisch, mit Obst oder mit irgendeiner Art Wurzel, weiß bis jetzt noch nicht, was das ist. Kekse, Erdnüsse und Kuchen bis zum Umfallen. Und auch Früchte, die man bei uns im Lebtag nicht findet. Eine Frucht hat es mir besonders angetan: Außen sieht sie aus wie die Haut einer Schlange, wenn man sie schält sieht sie aus wie ein zu groß geratener Knoblauch. Schmecken tut sie nach - hm...auf jeden Fall sehr gut, vielleicht nach einer Mischung aus Traube und Pflaume, aber schwer zu sagen.
Schließlich habe ich dann die gesamte Familie von Amel kennengelernt. Erst waren sie bei uns zuhause und später sind wir dann zu ihnen gefahren. Alle sind nett, aber können eben kein Englisch, deshalb war Konversation eher schwer möglich. Eine Tradition an Nudul Fitri ist, dass alle Nachbarskinder vorbeikommen und jeder etwas druckfrischen Geld geschenkt bekommt, so etwas zwischen 2.000 und 10.000 Rupiah, also etwa 20 Cent bis 1 Euro. Teilweise haben sich die Kinder kaum ins Haus getraut, weil sie mich gesehen hatten :-D Aber naja, daran gewöhne ich mich langsam, dass ich überall angestarrt werde. Sogar ich habe etwas Geld bekommen :-D
Am späten Nachmittag nach unserer Rückkehr nach Hause habe ich mich nochmal aufgemacht, um schwimmen zu gehen. Die Trainees, die schon länger hier sind, haben nämlich einen Platz ausfindig gemacht, an dem man im Bikini schwimmen kann: Ein 4-Sterne-Hotel :-) Man geht einfach direkt durch zum Pool, zahlt etwa 5 Euro, bekommt dafür so viel zu trinken wie man will und darf den Pool benutzen. Hach, hier ist es wirklich wie eine Auszeit vom indonesischen Leben zu nehmen. Im Hotel steigen hauptsächlich Ausländer ab, also auch Europäer, Australier, Chinesen und Japaner. Keiner starrt dich an, du kannst dich kleiden wie du willst und das Beste: Es gibt ganz normale Duschen, nix mit Eimerduschen. Ich glaube hier werden wir öfters hingehen.
Das Wetter wurde schließlich schlechter und wir beschlossen heimzugehen. Ab hier begann für mich dann das bis jetzt verrückteste Erlebnis in Padang. Ich musste an einem Einkaufszentrum das Angkot wechseln. Zu spät habe ich gemerkt, dass es das falsche war, komplett andere Richtung. Erstmal nicht so schlimm, da die Angkots Runden fahren, ich entschied einfach sitzen zu bleiben und zum Ausgangpunkt zurückzukehren. Während der Fahrt fing es aber so was von an zu regnen, wie ich es bis jetzt noch nicht erlebt habe, ein richtiger Monsunregen. Man sah kaum mehr die Straße und bis ich schließlich wieder am Ausgangspunkt war, standen auf der Straße so etwa 20 cm hoch Wasser und es regnete immer noch in Strömen. Als ich ausstieg war ich sofort komplett nass, es war dunkel, es regnete und mein Angkot kam nicht. Ich habe mich schließlich in das Wachhäuschen zweier Polizisten vor dem Einkaufszentrum gerettet. Dort stand das Wasser zwar auch schon knöchelhoch, aber besser als draußen. Die zwei Polizisten waren sehr nett und einer konnte sogar Englisch. Aber es war mittlerweile dunkel, auch wenn erst 7 Uhr am Abend und die Polizisten ließen mich nicht mehr gehen, es sei zu gefährlich wegen des Regens und weil es natürlich dunkel war. Ich solle mich abholen lassen...hm, okay. Blöde Situation, weil schließlich Feiertag war und die Familie daheim zusammen saß, aber mir blieb nicht anderes übrig. Also habe ich Amel angerufen, sie meinte, es dauert mindestens ne dreiviertel Stunde, weil ihr Vater mit dem Auto bei Verwandten war. 45 Minuten kann in Indonesien viel heißen. Letztendlich habe ich dort im Häuschen mit den zwei Polizisten Nasi Goreng zu Abend gegessen und musste ne Stunde lang was über Deutschland erzählen. Naja, war auch mal ne Erfahrung :-D
Endlich wurde ich dann abgeholt und nach Hause gefahren. Das war wirklich nicht der beste Tag für so eine Aktion, und das war mir wirklich unangenehm. Morgen fahren wir zu Verwandten in eine andere Stadt, etwa ein Stunde entfernt. Die nächste Zeit muss ich mich jetzt besser benehmen ;-)
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