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Heimkehr
Den letzten Tag verbrachten wir mit entspannten Spaziergängen durch die Altstadt Kiews, dem obligatorischen Souvenir-Kauf, sowie einem feinen Essen in einem ukrainischen Restaurant. Neben einer Speisekarte in ukrainischer Sprache waren sogar einige englischsprachige Exemplare vorhanden und so wussten wir sogar, was wir bestellten, bevor „aufgetischt" wurde.Mittlerweile konnten wirschon „Danke" und „Bitte" auf Ukrainisch, sowie „Mit der Rechnung stimmt etwas nicht" oder „Ich hol dich heute Abend ab" sagen - beste Voraussetzungen für eine sinnvolle Unterhaltung mit der Kellnerin. Als wir dann richtig in „Fahrt" kamen, wechselte leider die Bedienung - schade …
Am Abend wurden dann die Koffer gepackt und letzte Vorbereitungen für die Fahrt getroffen, Eier gekocht und ukrainische „Ess-Tüten" vorbereitet, so wie wir es auf der Hinfahrt von unseren Mitreisenden gelernt hatten.
Am 14.09.2010 um 9:00 Uhr (mit ukrainischer Verspätung) verließen wir unser Appartement und fuhren mit einem verrückten Taxifahrer zum Busbahnhof - wir wussten gar nicht, wie weit man den ersten Gang ausreizen kann.
Am Busbahnhof angekommen, erkannten wir schon von weitem unseren besonders luxuriösen Reisebus. Im Gegensatz zur Hinfahrt gab es diesmal jedoch nicht den „guten Busfahrer" und den „bösen Busfahrer". Stattdessen waren beide Busfahrer gut gelaunt; auch war noch eine Sitzplatzauswahl möglich, da viele Mitreisende erst später zusteigen würden. Der Start verlief also um einiges geordneter als bei der Hinfahrt. Die Fahrt selbst gestaltete sich dann wieder als echte Herausforderung. Spätestens nach acht Stunden Fahrt machte sich das knapp bemessene Platzangebot bemerkbar. Vor Ronny und Steffen saß ein Mann, der eigentlich für zwei Sitzplätze hätte bezahlen müssen. Jedenfalls nahm er diese de facto in Anspruch, klappte seinen Sitz auch noch ganz nach hinten und schnarchte fast die gesamte Fahrt. Einzig zum Essen wachte er stündlich kurz auf.
Am Abend erreichten wir die ukrainische Grenze. Wie auf der Hinreise erklärte sich ein Passagier dazu bereit, das „Magic Money" von jedem Mitreisendem einzusammeln, mit dem der Busfahrer dann mit dem Zollbeamten verschwand. Und siehe da: „Hex, hex!" - unser Bus wurde abermals nicht durchsucht. Einzig die Pässe wurden eingesammelt. Unser Busfahrer machte uns unmissverständlich klar, dass wir alle dafür zu sorgen hätten, dass der (nicht gerade schlanke) Zollbeamte seine gute Laune nicht verlieren solle. (Ja, der Ablauf an der Grenze richtet sich nur nach der Höhe des Bestechungsgeldes und der Laune des Zollbeamten - ein sehr zuverlässiges System!) Das hieß für uns, alle Sitze an den Rand zu schieben, damit der Zollbeamte vorbeikommt; sich grade hinzusetzen und die Pässe bereitzuhalten - in angenehmer Greifhöhe für den Beamten. Wir waren übrigens nicht die einzigen, die die Korruption im Lande förderten. Zu unserer Verteidigung: Wir konnten einige PKW-Fahrer beobachten, die - natürlich aus Versehen - 200 UAH mit in den Reisepass gesteckt hatten und ebenfalls losfahren durften.
Kurz darauf rollten wir - vorbei an anderen wartenden Fahrzeugen - über die Grenze zur polnischen Kontrolle. Wir dachten, wir hätten die „böse" Seite hinter uns, doch uns wurde bald klar, wie falsch wir lagen. Vor uns standen bereits zwei andere Reisebusse, die gerade kontrolliert wurden. Auf Herz und Nieren, wie wir erfuhren, als uns nach dem obligatorischen Einsammeln der Pässe Ausgang gestattet wurde: Sämtliche Koffer lagen im Grenzhäuschen zur Durchleuchtung vor und ihre gelangweilten Besitzer zum Teil gleich daneben. „Das kann dauern" ging es uns durch den Kopf - so war es dann auch. Eine halbe Stunde draußen stehen, Einsteigen in den Bus, 10 m vorfahren, wieder halbe Stunde im Bus warten, Zusehen wie rein gar nichts geschah, dann Schichtwechsel beim Grenzpersonal! Der Busfahrer versicherte uns auf Ukrainisch (Dank eines deutsch-ukrainischem Reisepaares gelangten wir zu einer Übersetzung), dass es nun noch länger dauern würde. Das ausgewechselte Grenzpersonal kam also abermals zur Passkontrolle in den Bus, verließ aber aus einem uns unerfindlichem Grund nach den ersten gesehenen Pässen diesen und verschwand in sein Grenzhäuschen - vielleicht haben sie blitzartig Vertrauen in ihre Kollegen der Vorgängerschicht gewonnen oder hatten keine Lust mehr oder weswegen auch immer. Erneutes Warten und Aussteigen. Nächste Aktion: Busverkehrstüchtigkeitsüberprüfung (immerhin geschah nun etwas), währenddessen: Warten in der zunehmenden Kälte des Spätsommerabends. Und dann endlich nach insgesamt 4 h rollten wir auf polnischen Straßen gen Heimat.
Mit durchgängig überhöhter Geschwindigkeit fuhren wir in die Nacht hinein und probierten wenigstens ein bisschen Schlaf zu finden. Das war allerdings nur eine Wunschvorstellung. Trotz der eigentlich guten Sitze und der etwas besseren Beinfreiheit, die wir diesmal hatten, rissen uns die unbequeme Haltung, das wiederkehrende Schnarchen des Vordermannes, unsanft überfahrende Bodenwellen oder diverse ruckartige Überholmanöver des Busfahrers aus dem gerade einsetzenden Schlaf. Summa summarum konnten wir uns etwa 3 Stunden „erholen". Dementsprechend müde und erschöpft, was uns auch ins Gesicht geschrieben war, trafen wir zu unserer Überraschung trotz kurzzeitigem Stau in Berlin eineinhalb Stunden früher als geplant, um etwa 9.00 Uhr Ortszeit, im „Zentralen Omnibusbahnhof" ein. Ohne Umwege ging es dann mit der S-Bahn und dem IC nach Stendal, wo wir gegen 11.30 Uhr, froh über das Heimkehren, ankamen.
Fazit: Vielleicht reisen wir noch einmal in die Ukraine. Dann aber mit weiter in die ländlichen Gegenden. Die Hin- und Rückreise wird dann aber sicherlich mit dem Flugzeug oder der Bahn geschehen - nie wieder mit einem Reisebus.
Viele Grüße
Max, Ronny und Steffen
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