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Sonntag = Chapati (Pfannekuchen) essen = Wochenende = Freizeit = Ausflug
Gestern verriet der erste Blick auf meine Wecker keineswegs, dass wir nun Wochenende haben. 6 Uhr in aller Frühe wurde ich aus dem Schlaf gerissen. Aber das war schließlich unsere Idee gewesen um an diesem Tag früh zum Mount Elgon zu starten. Also quälte ich mich aus dem Bett, was mir zu diesem Zeitpunkt wie das bequemste bett auf Erden erschien.
Zähneputzen, Waschen, Wasserflasche auffüllen, Toast mit Margarine beschmieren, Rucksack packen, Security bag umschnallen, die Sandalen (Jörg, die haben sich jetzt schon zu 120 Prozent gelohnt) schnüren und auf geht's, dem Sonnenaufgang entgegen. Eigentlich hatten wir geplant uns mit dem Motorrad zum Ka Koi Coner (jetzt weiß ich endlich wie es richtig geschrieben wird) bringen zu lassen, da wir bereits um 7 Uhr mit Patrick, unserem Guide, verabredet waren. Tja, da hat uns die Technik ein Strich durch die Rechnung gemacht. Wir konnten Valle, unseren Motorrad Heini, nicht erreichen, sodass wir einen dreißigminütigen Fußmarsch in der frischen Morgenluft auf uns nahmen. Gar kein Problem für uns... und auch gar kein Problem, dass wir 15 Minuten zu spät eintrafen, da Patrick noch weitere 30 Minuten auf sich warten ließ. Hakuna Matata, dachte ich. Aber ich fühlte zu dieser Zeit viel mehr: Verdammt, ich hätte noch 30 Minuten länger schlafen können.
Aber halb so wild, denn den Schlaf konnte ich auf der fast zweistündigen Fahrt nach Kitale zum Mount Elgon nachholen. Da es preislich nicht teurer war, hat Patrick uns für den Tag einen persönlichen Taxifahrer, den Fred, organisiert. Das war eine sehr gute Entscheidung, da die Wege sehr schlecht waren und nicht die ganze Strecke bis zum Berg Matatus fuhren. Ja trotz, der wüsten wackeligen Fahrt gelang es mir zu schlafen...
So war ich bestens vorbereitet um den nächsten Fußmarsch zu bewältigen. Denn nachdem wir Patrick Cousin in Kitale eingesammelt hatten und weitere 10 km Wege mit Schlaflöchern zurückgelegt hatten kamen wir am Gate, dem Eingang zum Gelände an. Auch wenn wir den vergünstigten Studentenpreis zahlten (ja, dieses Mal haben wir an unseren Ausweis gedacht) wollten wir nicht noch extra Gebühren für das Auto zahlen. Also ließen wir das Taxi mitsamt Fahrer für die folgenden 5-6 Stunden zurück und machten uns zu Fuß auf den Weg zu den zwei Caves, die wir uns ansehen wollten. Laut Patrick ist das nämlich gar nicht so far... also kein Problem zu laufen. Ja. Wir konnten dann ziemlich schnell einen weiteren kulturellen Unterschied feststellen, als wir den Wegweiser nach einigen anstrengenden Minuten bergauf entdeckten „6 km to the Cave". Uff.... ähm... Patrick, not so far? << alles klar, die scheinen hier andere Strecken gewohnt zu sein.
Nachdem der erste Schock sich gelegt hatte, sich dafür aber viele Schweißperlen auf sämtlichen Körperstellen niederließen kam unser Retter. Ein dicker Geländewagen hielt prompt vor uns und sein uniformierter, bewaffneter Insasse kannte glücklicherweise unsere beiden Begleiter. Nach dem üblichen „Hello, How are you? Welcome!" hatte Dennis, so hieß die göttliche Person, die glorreiche Idee uns zu dem ersten Cave zu fahren. Sekunden darauf saßen Jana, Patrick und ich auf der Ladefläche, die mit zwei Sitzbänken ausgestattet war (wir hatten uns schnell für diesen Platz im Freien entschieden), und wackelten 6 km, während der dichte, grüne Wald an uns vorbei zog. Perfekt.
Ja erst am Ende unserer Mount Elgon Tour (nachdem Patrick zahlreiche Kot- und Pfotenspuren von Wild cats, Busch Böcken, Elefanten und Leoparden gelesen hatte) erfuhren wir, dass nur selten die Leute zu Fuß das Gelände betreten, da es wohl gar nicht so ungefährlich sei.... im stillen füge ich „und viel zu weit zum Laufen" hinzu J
Nach weiteren 500 Metern erreichten wir dann Cave Kitum (oder so ähnlich). Ein Höhle, eine sehr berühmte, zu der gegen Abend einige Elefanten kommen (aktuell gibt es ca. 600 Elefanten dort) um dort aus dem Gestein der Felsen die salzhaltigen Mineralien zu gewinnen, was man durch die zahlreichen Fugen in den Felsen gut erkennen konnte. Auch zeigte uns der Cousin Knochen eines Elefanten, der auf Grund eines herunterstürzenden Felsens eins sein Ende in der Höhle fand. Zufälligerweise hatten Jana und ich eine kleine Taschenlampe eingepackt. Partick hat doch glatt versäumt daran zu denken...was ein Guide! So konnten wir nicht allzu tief in die ca. 250 Meter tiefe Höhle, was wir aber auf Grund der Lauten Geräusche der Millionen Fledermäuse über unseren Köpfen gar nicht so tragisch fanden. Als Jana, die am ganzen Körper zu zittern begann, dann ein weiteres Geräusch unmittelbar in unserer Nähe wahrnahm wurde auch ich ziemlich nervös, sodass wir zügig den Rückzug antraten. Aber stets mit Vorsicht um nicht in die frischen riesigen Haufen der Elefanten zu treten. Das war übrigens das Einzige, was wir an diesem Tag von Elefanten zu Gesicht bekamen um eure Hoffnung auf spannende Elefantengeschichten schon mal zu nehmen.
Nun ja, als wir die Höhle gerade einige Meter hinter uns gelassen hatten kreuzten eine Gruppe Weißer unseren Weg. Die gleichfarbigen Kanadier, Schweden und Amerikaner (Medizinstudenten die in Eldoret ein Auslandssemester machen) waren uns schon fast fremder als ihre farbige Begleitung, die uns einlud gemeinsam mit ihnen und ihren Taschenlampen doch noch in die Höhle zu gehen. Überredet! So konnten wir doch noch über Steine bis ins tiefste Innere der Höhle klettern und Fledermäuse sehen. Sehr beeindruckend und gar nicht so beängstigend in einer Gruppe von 10 Leuten.
Anschließend liefen wir auch gemeinsam zu der nächsten Höhle, die im Gegensatz zu der ersten gar nicht so tief und viel offener war. Aber ich sag euch, dass war ein Bild wie in einem Buche. Hätte die Sonne in die Höhle geschienen und wären wir alleine gewesen, wäre es wohl sein traumhafter Platz um dort zu relaxen. Vom oberen Rand der Höhle floss ein Wasserfall und machte Atmosphäre perfekt... doch auch hier konnte man erkennen, dass es lange nicht mehr geregnet hat, da nur ein spärlicher Strahl Wasser herunter floss. In den dunklen Ecken hausten auch in dieser Höhle unzählbar viele Fledermäuse. Als Jana und ich uns gerade von einer Stelle bewegen wollten fiel doch plötzlich eine Fledermaus genau vor unsere Füße. Schock! Da ist das blinde Tier doch einfach gegen die Felsdecke geflogen und ohnmächtig geworden. So nah habe ich noch nie eine Fledermaus betrachten können. Doch selbst wenn ich sagen muss dass es ein ziemlich scheußliches Tier ist, hatte ich Mitleid mit dem armen Ding, das mit gebrochenem Flügel auf dem Rücken lag und immer wieder dramatisch und schmerzvoll aufschrie. Tja da hätten die Medizinstudenten zeigen können was die drauf haben und da gehen die einfach weiter. Rieke wo warst du nur? So hat die Mäuschen wohl ein quälendes Ende finden müssen. So ist wohl der Lauf des Lebens!
Während es sich die Studenten in ihrem Universitätsbus bequem machten, machten wir uns auf den Weg zurück zum Gate. Ich muss sagen, dass der Rückweg zwar lang aber dennoch sehr schön war. Es ging schließlich bergab J Und wir sahen auf dem Weg noch einen Busch Bock, Affen und Vögel. Auch haben wir wieder ein paar interessante Informationen zu verschiedenen Bäumen erhalten. Diese typischen afrikanischen Bäume, wir nannten sie Savannenbäume heißen in Wirklichkeit Akazienbäume. Aus ihnen macht man Holzkohle und die Einheimischen pflanzen sie gerne in der nähe ihrer Maisfelder, da sie wohl so was wie Stickstoff aus ihren Wurzeln absondern und so das Wachsen fördern. Das konnte ich zumindest aus allen Vokabeln aus dem dictionary entnehmen, die nicht in meinem persönlichen Wortschatz vorhanden waren. Auch wachsen hier Eukalyptusbäume, unter einem liegen wir (wie ich heute feststellen konnte) immer an unserem Lieblingsplatz (der heimlichen Sonnplatz zum bräunen).
Unser nächstes Ziel an diesem Samstagabend war ein Pub in Malava, also nicht weit von Tumaini entfernt. Gegen halb sechs erreichten wir abends unser Ziel und ich muss sagen, als ich den ersten Schritt in diese Bar setzte, setzte ich ihn (unerwartet) in eine andere Welt. Wir betraten einen schlecht beleuchteten Raum, in dem alte Sofas und Plastikstühle standen und voll war von einheimischen Afrikanern, die alle zu dem Fernseher in der Ecker starrten. Ja da scheinen sich die Männer verschiedener Länder nicht zu unterscheiden: Fußball gucken! Doch uns erstaunte, dass hier viele Mailand, Chelsea, Manchester Fans sind.
Ja der einzige Tisch, der noch frei war, war unmittelbar neben dem Fernseher, sodass Jana und ich mal wieder total auffielen. Aber Fußball schien nach einigen langen Minuten dann doch wieder spannender JWobei ich sagen muss, dass ich wohl keinen Fuß ohne die einheimische Begleitung in die silverland bar gesetzt hätte. Eine sehr fremde Atmosphäre, in der ich mich anfangs auch wieder richtig fremd gefühlt habe. Aber das legte sich schnell, wir schauten ein wenig Fußball und unterhielten uns mit unserem recht jungen Fahrer, der sich als sehr schüchtern und nett erwies. Doch nach dem Spiel wollten wir uns zügig auf den Rückweg machen, da es schon dunkel geworden war und ich Rose (mit Matthias Superhandy << DANKE NOCH MAL) geschrieben hatte, dass wir in einigen Minuten zurück sein würden. Patricks Freund hatte einen anderen Plan, denn gerade als wir uns auf den Weg machen wollten stand ein weiteres Tusker auf unserem Tisch, welches wir aber höflich ablehnten. Zum Glück hatten wir Taxi-Fred auf unserer Seite, der den Aufbruch aus der Bar unterstützte... was auch ganz gut war, da man den steigenden Alkoholpegel einiger lauter Stimmen deutlich wahrnehmen konnte.
Fred brachte uns sicher zurück und als wir gerade auf das Gelände bogen wurde auch schon von unserem zuverlässigen, netten Securitymann das alte, klapprige, krumme Wellblechtor geöffnet. Jana holte zügig das restliche Geld für das Taxi (wir hatten unser Tagesbudget nicht gut geplant) um uns dann zu verabschieden.
Im haus fielen wir dann hungrig über die Nudeln und Linsen von Josefine her, berichteten Rose im Schnelldurchlauf von unseren Erlebnissen (ausgenommen von der Bar, da wir erfahren hatten dass es nicht üblich ist für Frauen in eine Bar zu gehen, für uns aber in Ordnung, da wir Visitor sind. Bei Einheimischen würde man nur Prostituierte in Bars antreffen) und fielen dann müde und zufrieden ins Bett. Lala salama!
Fotos von diesem erlebnisreichen Tag könnt ihr auf Janas Blog (jana-in-kenia.auslandsblog,de) anschauen.
Heute haben wir die Kirche „geschwänzt" und haben uns in den Morgenstunden mit Rose unterhalten. Ihr geht es langsam wieder besser, aber sie verbringt noch viel Zeit im Haus.
Wir unterhielten uns lange über die Arbeit hier. Ich war so neugierig wie es hier dazu kommt, dass die Kinder hier bei Tumaini leben. Der kleine dreijährige Moses, den sie im Arm hielt, wurde mit neun Monaten in der Nacht auf dem Marktplatz in Malava gefunden. Die Leute haben ihn zur Polizei gebracht, die ihn dann weiter zum Children Department (oder so ähnlich) gegeben hat. So ist er dann zu dem Childrenhome hier gekommen. Rose sagte nur, dass wir uns gar nicht vorstellen können wir schrecklich dieses kleine Baby bei der Aufnahme ausgesehen haben muss. Er hatte eine ganz blasse Hautfarbe (sofern dass dann bei farbigen geht) da er zu wenig Blut im Körper hatte und bestand nur aus Knochen. Bei der Vorstellung bekomme ich eine Gänsehaut. Nun könnt ihr euch aber einen lebendigen, quirligen, fröhlichen Jungen vorstellen, der genau weiß was er will J
Joshua, der andere Kleine hier, wurde damals als er gerade mal einen Tag alt war in einem Feld gefunden. Andere Kinder kommen wenn sie älter sind da ihre Eltern zum Beispiel gestorben sind und sie vielleicht nur noch eine alte Oma haben, die nicht für sie sorgen kann.
Im Alter von 18 Jahren verlassen sie hier in der Regel das Heim. Rose sagt aber, dass es oft nur schwer ist eine gute Zukunftsperspektive für diese Kinder zu schaffen. Die Kinder, die noch Verwandte irgendwo haben, können eventuell dort leben und auf dem Land was ihnen gehört arbeiten. Andere Kinder, deren familiären Hintergründe nicht bekannt sind haben es hingegen schwerer. Es gibt hier keine anschließenden Hilfsangebote für junge Erwachsene um ihnen den Start in ein eigenständiges Leben zu ermöglichen. Manchmal gehen sie studieren, aber dass ist natürlich nicht für alle der Fall.
Rose betont auch mehrmals, dass die Geburtsrate ein großes Problem hier ist. Vor allem hier auf dem Land, wo die Menschen noch weniger aufgeklärt sind. Viele junge Frauen werden schwanger, da sie rebellieren wollen. Sie haben dann einen Freund und erhoffen sich von zu Hause wegziehen zu können und werden zu schnell schwanger.
Es ist ausfällig, dass hier tatsächlich sehr viele Kinder leben. Wir sehen auch wesentlich mehr Schulen hier in der Umgebung als ich es mir vorgestellt hätte. Ja, die Welt ist hier so unglaublich anders.
Jana und ich haben heute mal zusammengefasst welche kulturellen Unterschiede wird bis dato erleben konnten. Da haben wir kaum noch aufhören können zu schreiben...
... so ich höre aber jetzt auf zu schreiben. Bis zum nächsten malJ
Hier gibt es übrigens keine Zeitumstellung wie bei uns. Wir sind somit nur noch eine Stunde früher als Deutschland.
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