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Sonntag. Mindestens 50 Grad im Schatten. Alle gewegen sich so wenig wie möglich. Außer heute morgen, da waren wir fleißig. Wir wollten den Caretakern helfen die kleinen Kinder vom Heim zu waschen. Doch zwei der älteren Kinder fingen mit so routinierten schnellen Handgriffen an die 6-7 Kleinen einzuseifen, dass wir gar nicht dazwischen kamen. Also standen wir daneben und staunten über die Akordarbeit. Neben einer nicht allzu großen Wanne standen ein Haufen nackige, dreckige Kinder, die darauf warteten alle mit dem gleichen Wasser gewaschen zu werden. Für alle wurd der gleiche Lappen benutzt, der mit der gleichen Seife (sowas wie Gallseife) eingeschmiert wurde wie auch für die Kleidung und das Geschirr benutzt wird. Innerhalb von 3 Minuten werden die schmächtigen Körper mit kaltem Wasser gesäubert. Dann hocken sich die Kids hin um an der Luft zu trocknen.
Anschließend haben wir bei dem sonntäglichen Gottesdienst wieder wild mitgeklatscht und sogar auch schon versucht einige Songs mitzuträllern.... zum Glück konnte man meine kläglichen Versuche unter all den kräftigen guten Stimmen der Afrikaner nicht heraushören :-)
nun sitze ich im Schatten, genieß die ruhige Sonntagsstimmung und bündel für euch die Erlebnisse der letzten beiden Tage.
Am Freitag standen Jana und ich pünktlich um 8 Uhr morgens startklar an der Schule um die älteren Klassen zur sport competition zu begleiten. Um 8.30 Uhr (Hakuna Matata)ging es dann auch irgendwann mal los :-) Aber zuvor hat einer der Lehrer noch aufmunternde, festliche Worte an die Schüler gerichtet und dachte sich es wäre doch schön wenn dies auch (mal wieder) die Visitors täten. Also mussten wir uns spontan einige englische Vokabeln aus dem Gedächtnis krahmen die wir dann vor der versammelten Mannschaft kundtaten. Als wenn das noch nicht genügt hätte hatte Teacher Martin auch noch die gloreiche Idee, dass die Visitors nach dem Song, den wir gemeinsam sangen, ja auchnoch ein Pray aussprechen könnten. Ähm ja. Beten. Kann ich.... nicht wirklich... schon gar nicht spontan... schon gar nicht auf englisch! Aber wir sind ja kulturoffen. Macht man hier anscheinend so, also auch wir: Ja, also wir hoffen dass wir alle einen erlebnisreichen Tag gemeinsam haben werden, dass alle gesund wieder zu Hause ankommen, dass wir nette andere Schüler treffen und alle den anderen Lehrern mit Respekt gegenübertreten. Und natürlich eine gute Reise zu der anderen Schule. AMEN! << War das ein Gebet? Naja auf jeden Fall hat keiner protestiert. Den letzten Punkt unseres "Gebets" war für mich und Jana besonders wichtig "eine gute Reise zu der anderen Schule (an der die competition stattfand). Denn wir liefen, nein ich korrigiere mich: wir walkten, über eine halbe Stunde bis wir irgendwann als Schlusslicht und ordentlich verschwitzt am Ziel ankamen. Puh, haben dir hier ein Tempo! (Wir wir feststellten haben einige Kids einen ähnlich langen Weg jeden Tag zur Schule, wahnsinn!!)
Auf dem Schulgelände hatten sich sieben verschiedene Schulen eingefunden, die alle neugierig auf die zwei Weißen starrten. Unauffällig bewegen konnten wir uns hier also nicht. Bei der competition traten die Schulen in drei verschiedenen Sportarten gegeneinander an football, netball, volleyball... natürlich nach Geschlechtern getrennt. Als unsere Mädchen der Tumaini School das Fußballspiel durch Elfmeter schießen gewannen tobten alle. Sowohl Lehrer als auch die Schüler sprangen in die Luft, klatschen in die Hände und sangen Siegessongs während sie sich in einer großen Traube rythmisch über den Sportplatz bewegten. Beeindruckend. Dies beobachteten wir allerdings aus Distanz, da wir uns duch die heiße Mittagssonne in den Schatten retten mussten. Anschließend machten wir uns dann zu zweit auf den Rückweg. "Wollt ihr wirklich alleine gehen? Zu Fuß?" "Na klar, kein Problem, den Weg finden wir auf jeden Fall wieder... wir sind schließlich Pfadfinder!" MÖP!! Das war wohl nichts. Wir liefen kreuz und quer durch Malava, orientierten uns an einem bekannten Hügel in der Ferne und kamen irgendwann verschwitzt, durstig und hochrot angelaufen am Kinderheim wieder an. Sofort eisklat duschen und auf die Couch schmeißen. Perfekt! Als wir uns irgendwann erholt hatten gesellten wir uns zu den kleineren Kindern des Heims (die durch die competition frei hatten) und der Sozialarbeiterin und den Caretakern. Zu dieser Zeit war gerade die Fisurenmacherin, Marry, da. Yippie... endlich konnte ich beobachten wie den Afrikanern die Haare eingeflochten werden. Wenn wir wollen können wir uahc einen Termin machen und dann bekommen wir auch eine super Glechtfrisur innerhalb einer Stunde. Doch bei uns wird es wohl kein Monat, so wie bei den Leuten hier, halten. Naja aber umgerechnet kostet das ca. nur 1-2 Euro << also testen wir das mal... aber erst wenn hier gegen Ende des Montas die Regenzeit beginnt und unsere Kopfhaut nicht gleich verbrennt :-)
Gestern haben Jana und ich dann einen Ausflug zum Kakamega Rainforest gemacht. So wie die Leute hier ihre Trasportdienste mit dem Fahrrad oder dem Matatu anbieten, gibt es hier auch zahlreiche Motorradfahrer, die einen für kleines Geld von Ort zu Ort bringen. Valle, unserer Fahrer brachte uns also am Samstag Morgen heil am Rainforest an. Wir fuhren zu dritt auf einem Motorrad... das ist hier ganz normal. Manchmal sieht man sie auch zu viert auf einem Bike. Natürlich ohne Helm, aber Valle fuhr langsam und ordentlich durch die frische Morgenluft.
Am Forest angekommen erhielten wir die ersten Informationen über Schlange, Affen, Insekten, Schmetterlinge, Früchte, Bäume, Pflanzen und und und. Aber Patrick, unser Guide hat alles kurz und knackig erklärt... genau nach meinem Geschmack. Der Eintritt kostete 1750 ksh pro Person (blöd, dass wir unsere studentcard vergessen hatten) und der Guide noch mal 1200 ksh (umgerechnet ca. 12 Euro) pro Person, was sich auf jeden Fall gelohnt hat. Patrick ist wohl einer der besten Guides dort, so beteuerten uns seine Kollegen. Auch in unserem Reiseführer steht er mit Namen und Telefonnummer als Empfehlung. Na dann kann ja nichts mehr schief gehen :-)
Obwohl wir nur für drei Stunden gezahlt hatten waren wir insgesamt 4-5 Stunden unterwegs... und das war nur der small hajk. Direkt am Anfang liefen uns die ersten Affen über den Weg. Dann verließen wir recht schnell den Hauptweg und drangen in den dicht bewachsenen grünen Urwald ein. So in der Art hatte ich es mir vorgestellt. Doch die Luft war nicht so feucht tropisch wie ich es vermutet hatte (aber es hat wohl auch seit drei Monaten nicht mehr geregnet). Auf dem Weg durch das Dickicht erfuhren wir einiges über die verschiedenen Bäume. Es gibt z.B. einen Baum, dessen Rinde gegen Allergien und Magenproblemen hilft (Teak tree) und die Rinde eines anderen nutzt man um Abtreibungen vorzunehmen. Ziemlich spannend. Als wir dann zu den Lianen vorgedrungen sind kletterte Patrick kurzer Hand hinein und forderte und mit imitierten Affengeräuschen auf das Selbe zu tun. Also gut, dann mal rein in das Netz der Lianen. << Rieke da musste ich doch gleich an dich denken. Als ich dem Guide daraufhin erzählte dass du sicher ganz neidisch bist und der Forest für dich ohnehin auf Grund der Tiere interessant wäre, weil du wildlife management studierst, verkündete er, dass er dies auch in Eldoret (hier in der Nähe) studiert hat. Es scheint als würden hin und wieder mal Studenten in den Forest kommen um die Untersuchungen bei Pflanzen oder Tieren vorzunehmen. Du bist herzlich willkommen (seine E-Mail Adresse und Telefonnummer steht in meinem Reiseführer).
Leider ist momentan nicht die Reifezeit der diversen Früchte, die in dem Regenwald wachsen. Wir konnten ausschließlich die säuerliche White Star Apple Fruit kosten. Ginger Ale, Guaven, Feigen usw. sind nicht reif. Auch wächst in dem Wald Pfeffer.
Ein weiterer Höhepunkt war der View Point, von dem man auf den gesamten Wald blicken konnte. Eine unglaubliche Aussicht... den Sonnenaufgang von dort zu beobachten wäre der ober hammer! Bevor wir dein den weiten Weg zurück zum Startpunkt liefen sahen wr noch einen Wasserfall, der aber nicht besonders groß war. Aber das Wasser war herrlich erfrischend an den Füßen.
Nach der Waldbegehung wollten Jana und ich weiter nach Kakamega fahren, da wir die beiden Hebons, Moreen, Dennis und Rose abends auf einen Wein einladen wollten. Spontan entschied Patrick sich uns in die Stadt zu begleitet, da er dort noch seine Mails nachschauen wollte. Mal wieder erwies es sich als sehr angenehm in Begleitung eines Afrikaners zu sein . Wir fuhren (zum ersten Mal!!!!) mit einem Matatu. Eine sehr abenteuerliche Fahrt aber dennoch ziemlich erholsam nach dem weiten Fußmarsch zuvor. Der kleine Sammeltaxi- Bus ist für ca. 15 Passagiere ausgelegt. Egal, da passen doch locker 5 Personen mehr rein. Mehr Fahrgäste= mehr Fahrgeld. Also kuschelten wir uns hinten mit einigen Afrikaner eng aneinander damit sich der Weg auch richtig lohnt :-) um mehr Sitzmöglichekiten zu schaffen legen sie zwischen den schmalen Gang ein Holzbalken, der sich an beiden Seiten auf die anliegenden Sitze stützt, sodass eine weitere Person darauf sitzen kann.
Gut durchgeschüttelt und verschwitzt kamen wir in Kakamega an. Patrick schirmte uns gleich von allen kontaktfreudigen Menschen ab, sodass wir ohne Verzögerung an unserem Ziel ankamen. Dort hatten wir allerdings weniger Erfolg. Der ATM Automat hat wohl irendwas gegen uns. Am Automaten steht das gleiche Icon für Visa Plus wie auf unserer Bankkarte der Postbank. Wir können auch die ersten Funktionen ausführen, doch am Ende sagt er immer wieder das gleiche "Not Allowed". Und dabei ist diese Sparcard doch extra für Auslandsaufenthalte, so ein Mist! (wenn irgendeiner von euch einen Tipp für uns hat immer her damit, aber morgen wollen wir mal an der Bank nachfragen).
Naja, somit mussten wir dann unsere letzten Schillings zusammen kratzen um den versprochenen Wein und ein paar Chips zu kaufen. Es reichte dann gerade noch dafür, für ein Tusker Bier im Kula Korner und die Rückfahrt. Ja das gönnten wir uns dann mal am frühen Samstagabend. Ein kaltes Bier zusammen mit Patrick, mit dem wir überlegen den nächsten Wochenendtrip zum Mount Elgon zu machen, da er sich bestens auskennt.
Als wir startklar für den Rückweg an der Straße standen und uns schon zahlreiche Fahrradfahrer als Fahrgäste ködern wollten kam in den ersten paar Minuten kein freies Matatu. Teilweise lehnten 1-2 Personen aus der offenen Tür, da es so überfüllt war. Also hielt Patrick bei jedem Auto den Arm hoch, bis uns kurz darauf jemand für das gleiche Geld zurück fuhr... unser Fußweg aber dadurch kürzer war. Prima.
Unser Plan einen geselligen Abend auf die Beine zu stellen lief semi gut. Moreen kam nur ganz kurz (als die anderen noch unterwegs waren) auf ein Glas Wein und zahlreiche Chips rüber, da sie schnell wieder zu den Kids rüber musste. Hesbon 1 nahm sich ein Glas Wein, Chips und Abendessen und verschwand ebenfalls. Tja... Hesbon 2 (der sich allerdings noch interessiert mit uns über Scouting unterhielt, da er selber mal Mitglied war), Dennis und Rose saßen zwar ein bisschen mit uns am Tisch, aber in erster Linie um Abend zu essen und verkrümelten sich dann auch relativ schnell auf die Couch um fernzusehen. Sehr gemütlich :-) Mit Fernseh gucken wollten wir nicht, da es hier immer nur gant schlecht geschauspielte Filme gibt. Ich kann euch sagen das ist schlechter (ja anscheinend geht es noch schlechter) als das Mittagsprogramm im deutschen Fernsehen (Familien im Brennpunkt und so). Da entwickelt sich bei mir ein Gefühl von Fremdschämen.
Oh jetzt verschwindet so langsam die Sonne und es fängt tatsächlich an zu gewittern. Regen wäre jetzt auch wirklich mal ein Segen. Weniger zum abkühlen, mehr dafür dass sich endlich wieder die Wasserbehälter füllen. In der Kirche hat Hesbon heute sogar erwähnt, dass es nicht gut um die Wasservorräte steht.
So das war es von meiner Seite. Mal sehen was die nächste Woche so bringen wird...
Teacher Anne sagt: Auf bald!
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