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Neues von der immer brauner werdenden Anne... wobei Muses, der Sohn von Rose, die letzten Tage von meinem „red face" spricht. Naja das wird noch!!
Heute haben wir zum ersten Mal die lower classes (Klasse 1-4) gehabt. Leider war ich ziemlich unausgeschlafen, da Rose, Hesbon und Dennis gestern spät abends noch Fußball schauten, was sehr amüsant zu sein schien. Seltsam, bei uns wird nicht so unglaublich viel beim Sport gucken gelacht... Und wäre ich von dem anstrengenden Tag nicht so fertig gewesen hätte ich mich sicher dazu gesetzt... aber Kopfschmerzen und müde Beide verlangten äußerst schnell nach einem Bett. Mehr zu den Gründen später J
Nun gut... nachdem das neue, deutsche Spiel mit den zwei älteren Klassen schon nicht so leicht umzusetzen war haben wir uns dann die Energie und möglichen Frust für Klasse 1-2 gespart und haben Fußball (wie sie sagen footiball) gespielt, oder besser gesagt spielen lassen. Wir gesagt ich war/ bin müde und die Kinder können anscheinend recht gut ohne (oder für mich nicht ersichtliche) Regeln spielen. Ja da holt es mich wieder ein: Hakuna Matata. Wir wohl zu meinem Lieblingsspruch, den ich mir in Deutschland manchmal auch zu Herzen nehmen sollte. Die Stunden am Mittag sind dann ausgefallen, wie wir mal wieder ziemlich zufällig (ABER: Hakuna Matata) erfahren haben. Denn heute wurde für die sport competition fleißig trainiert, was folgendermaßen aussah: Die Kinder aus den älteren Klassen, die in den Schulmannschaften spielen (vielleicht 10% der Schule) haben Voll(i)ball, Net(i)ball, Foot(i)ball gespielt, während alle anderen zusahen... mehr oder weniger. Sehr bezeichnend für den Respekt, der hier Erwachsenen gegenüber gebracht wird war, dass die Kinder Plastikstühle (die hier an der Schule für die Lehrer genutzt werden) für die Teacher (ja auch für uns) geholt haben und Kinder, die bereits an der Stelle im Schatten nah am Spielfeldrand saßen sofort Platz für die Erwachsenen machtenund sich unter das Abdach der Schule verkrümelten. Ja so ist das hier, ohne nörgeln!
Heute habe ich nach gut 1 ½ Wochen zum ersten Mal Fleisch zum Mittagessen bekommen. Ganz gut... aber kurz darauf fragte ich mich ob ich die Ziege heute schon gesehen hatte?!? Aber Entwarnung: als wir gegen Abend zum ersten Mal unsere Wäsche (natürlich mit Hand) wuschen trottete sie an uns quicklebendig vorbei.
Zum Thema Essen gibt es noch mehr Neues: Ich habe gekochte Bananen gegessen. Zu erst dachten wir es wäre an der zeit unsere Instant-Nudeln mit heißem Wasser aufzukochen aber probieren wollte ich es ja doch mal. Fazit: Lecker...mit Tomatenketchup (den ich mittlerweile zu fast allen Mahlzeiten esse). Schmeckt wie Kartoffelpüree. Rose berichtete uns, dass es deshalb nicht süß sondern herzhaft schmeckt, weil die Bananen nur gekocht werden wenn sie noch grün, also nicht reif sind. AHA. Wieder etwas gelernt.<<< Leute probiert das mal.
Ja und dann habe ich heute von Nachbarskindern ein Stück Zuckerrohr angeboten bekommen. Oh ja, das muss ich unbedingt probieren. Also riss ich mit meinen Zähnen ein ordentliches Stück von dem frisch geernteten (und sicher vom Bauern gemopsten) Zuckerrohr ab. Kaute, wie es sich gehört darauf herum und spuckte es anschließend wieder aus. Aber nicht weil es mir nicht schmeckte. Nein, es war lecker süß. Aber sobald man das süße abgekaut hat ist es üblich den Rest auszuspucken. Dementsprechend sehen auch die Wegränder aus. Überall Zuckerrohr Reste.
Nun gut, das zu heute. Zu gestern gibt es spannenderes zu berichten. Oh ja, der Tag hatte sich gestern komplett anders aber sehr eindrucksvoll entwickelt. Gestern war unser einziger freier Tag in der Woche, den wir so nicht mehr haben werden, da wir durch die jüngeren Klassen nun 16 Stunden mehr unterrichten.
Gegen 10 Uhr morgens machten Jana und ich uns auf den Weg... ein Streifzug durch die Nachbarschaft, gewappnet mit Handtuch, Buch und Wasser in der Hoffnung eine abgelegene Stelle zum entspannen (und im besten Falle so abgelegen um uns heimlich zu bräunen, da man hier ja recht bedeckt herum läuft) zu finden. (Rose erzählte, dass erst seit 2009 das Parlament erlaubt hat, dass Frauen Hosen tragen dürfen, auch auf der Arbeit).
Einen solchen Platz fanden wir nicht, dafür lernten wir Peter, einen netten freundlichen Mann in den Fünfzigern, kennen. Anfangs schien er uns recht suspekt, da er verdächtig viel von Heirat und Geld sprach (Seit ihr verheiratet? Wie viele Männer könnt ihr haben oder habt ihr? Auch welche in anderen Ländern?). Als er hörte dass wir aus Deutschland kommen rief er sofort, allerdings vergebens, eine Freundin aus Berlin an. Das ungute Gefühl legte sich aber schnell als wir in seinem Haus seine Frau kennen lernten und andere Themen, seriösere (was baut ihr an? Wie werden die Häuser bei euch gebaut?), auf den Tisch kamen. Er ist der Bruder von dem Shief, Moses, ist, den wir bereits kennen gelernt haben. Peter ist wohl auch Pastor, also alles gut J Nachdem wir so ca. 1 Stunde mit Peter und einem Freund, der uns eine Fanta aus seinem Shop spendierte, im Wohnzimmer (fast der einzige Raum in seinem schlichten Häuschen) geplaudert hatten wollte Peter uns noch die Wasserstelle zeigen. Um zu ihr zu gelangen liefen wir über schmale Wege (wenn man diese überhaupt so bezeichnen kann).
Eine gute Entscheidung mit ihm ein Stück weiter zuziehen, denn kaum an der Wasserstelle angekommen schlug er vor uns noch mehr zu zeigen. Na gar kein Problem J
Ja der gute Peter entpuppte sich wahrlich als ein hervorragender Guide, durch den wir Wege entlang liefen, die wir alleine nie gegangen wären. Nach dem gemeinsamen Tag forderte er, anders als es im Reiseführer stand, kein Geld.
Innerhalb der vier Stunden, die wir mit Peter unterwegs waren und die ganze Zeit durch die pralle Sonne liefen nur mit einer Scheibe Brot im Bauch, durchquerten wir fünf Sektoren von Malava. Wir sahen, wie er berichtete, viel Land seiner Familie. Seiner riesengroßen Familie... kein Wunder wenn der Großvater reichlich Ehefrauen an seiner Seite hatte (was hier bis heute keineswegs ungewöhnlich ist).
Auf unserem Trip durch die hügelige, teilweise sehr grüne Landschaft voll von Feldern mit Rohrzucker folgten uns zeitweise neugierige Kinderscharen, die uns mit großen Augen ansahen. Während wir so über diverse Grundstücke liefen und die unfassbare Einfachheit der Hütten bestaunten, kam uns ein junger gut gekleideter Mann, ebenfalls ein Peter, mit einem Koffer entgegen. Er erzählte uns, dass er aus Eldoret kommt und hier auf dem Land als Hebamme unterwegs ist... ein sogenannter Flying Doctor. Wären wir nicht mit Pastor Peter unterwegs gewesen wäre ich gerne Doktor Peter gefolgt!!
Weiter sahen wir auf unserem Weg, zu der Sugar Faktory, von der wir am Tag zuvor erfahren haben, (wovon uns Rose abriet hinzulaufen, da es viel zu weit ist << aber da hat sie nicht mit den Pfadfindern Anne und Jana gerechnet), kleine Aloe Vera Pflanzen, einige Schulen mit uniformierten Kindern, eine graue Kuh, kleine Flüsse, riesige Steine/Felsen und Bäume mit feuerroten Blüten. Diese Bäume nennen sie Devil Trees, da die Leute früher bei Sünden oder Krankheit um diese Bäume herum rannten, da sie glaubten dass durch die feuerroten Blüten alles Böse verbrannt/ vertrieben wird).
Was uns schockierte waren verbrannte Stellen am Straßenrand, denn hier gibt es nicht wie bei uns eine Müllabfuhr oder ein anderes sinnvolles Müllsystem. Nein, hier leben sie im Müll und wenn es zu viel wird zünden sie es einfach an. Irre und vor allem gefährlich, da es schon soo lange trocken ist.
Als wir an der Sugar Faktory ankommen begrüßt uns als erstes das prächtige Haus des Fabrik Direktors, welches mit einer hohen Mauer und Stacheldraht umzäunt ist. Um das Monster herum herrscht pure Armut. Als wir dann von den Wiesen auf die Straße „West Kenya" gelangen bin ich heilfroh, dass wir einen waschechten Kenianer an unserer Seite haben. Von allen Seiten werden wir angestarrt und es herrscht eine mystische Atmosphäre. Viele Leute sitzen hinter ihren Verkaufsständen oder einfach so am Straßenrand, einige junge Männer stehen in Gruppen zusammen an ihren Motorrädern, die müllverbrannten Stellen, die große Mauer mit Stacheldraht von der Fabrik die mich an Kriegsszenen erinnert und weit und breit keine Weißen. Die Stimmung auf dieser Straße kann ich nicht einschätzen, sodass ich froh bin dass wir in Bewegung bleiben und nur kurz an dem Fabriktor halt machen. Wir fragen den Security ob die Möglichkeit besteht sich das Innere der Fabrik anzuschauen: NO! Mhh... lässt sich nichts machen... oder doch. Denn da tritt ein Mann neben uns, der uns von der Schule an der wir arbeiten wieder zuerkennen scheint (wir ihn allerdings nicht). Er strahlt uns mit seiner „Yes you can" Kappe an und meint, dass wir ein anderes Mal mit ihm zusammen dort hin gehen und dann eine Führung bekommen. Ja und heute haben wir ihn hier auf dem Gelände wieder getroffen und er scheint sein Wort halten zu können... sofern wir noch mal einen tag in der Woche Zeit haben. Ich bin gespannt!!! Aber noch mal so weit laufen??? Vielleicht schnappen wir uns dann mal einen Motorradfahrer, die hier für ein paar Cent ihre Fahrdienste anbieten.
Am Ende, so spekulierte Peter, waren wir ca. 10 km gelaufen. Und nicht auf Flachland wir bei uns!!!
Auf dem Rückweg sehen wir ebenso viel wie auf dem Hinweg. Alle grüßen freundlich und sagen zu Peter auf Kiswaheli, dass wir doch in ihre Häuser kommen sollen. Wir, die reichen Weißen, von denen sie sich erhoffen Geld zu bekommen, so sagt Peter. Manchmal bleiben wir stehen, halten small talk und setzen dann unsere Reise fort. Alle auf dem Land sind erfreut uns zu sehen. Außer ein Kind, dass bei unserem Anblick bitterlich z weinen anfängt. So fremde Gesichter machten ihm Angst.
Abends falle ich mit Kopfweh und erschöpft ins Bett... und lasse den erlebnisreichen Tag Revue passieren.
Morgen starten wir um 8 Uhr mit den Kindern von der Schule zur competition. Ich bin gespannt wie die Stimmung sein wird. Sicher wird viel angefeuert und stimmungsvoll gesungen... wir machen natürlich ganz touri-like Videos und Fotos. Dann beginnt das Wochenende. Unsere Idee ist es zum Kakamega Rainforest zu fahren... mal sehen was daraus wird. Auf jeden Fall haben wir frei und nutzen diese Zeit so gut es geht!
Erkenntnis: Wusstet ist, dass sie hier unter ihrer schwarzen Haut auch weiße Pigmente haben? Die Kinder, die hier mit Kratzern herumlaufen sind an den offenen Stellen alle weiß.
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