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Bible Study in TUCC und Gespräch mit Frank Yamada CEO McCormick Theological Seminary
Chicago, Illinois
Wie kommen wir nun zu einer Bibel, um am Abend in den Bible Studies nicht eine schlechte Falle zu machen. Ja, natürlich, jedes Hotel hat eine Gideon Bible. Schnell ist sie hervorgekramt und eingepackt. Eine Peter Roth-CD dazu, eine Danke-schön-Karte und eine Visitenkarte dazu, und schon wieder los. Noch schnell eine Stärkung im russischen Restaurant um die Ecke, und dann wieder auf den Highway Richtung Süden. Jetzt haben wir's endlich raus, wie wir fahren müssen, zuerst den bequemen Lake Shore Drive dem Seeufer entlang. Es ist zwar kalt hier, es geht ein eisiger Wind, aber die Farben sind fantastisch. Alle Bäume in schönster Blüte, weiss und rosa, die Blätter frisch draussen, das Gras, der Strand und der Lake Michigan liefern sich ein Farbenwettspiel: was ist hier das Schönste im Land? (Inspirationsquelle: "Mirror, mirror", die Neuverfilmung des Schneewittchens mit Julia Roberts in der Hauptrolle haben wir uns in New York angeschaut, sehr witzig. Vor allem auch der sozialpolitische und feministische Ansatz!)
Um drei Uhr sind wir mit Frank Yamada verabredet, der seit letztem Sommer das Seminar leitet. Da Chris Chakoian on Board of Trustees ist, hat sie uns dieses Gespräch problemlos vermitteln können. David Esterline, den wir ebenfalls treffen wollten, hat sich dazu gesellt. Die beiden dachten, sie machen uns einen Gefallen, indem sie zu zweit anwesend sind und uns so eine Reise ersparen. Leider haben die beiden unterschiedliche Themen, die sie bearbeiten. So blieb am Ende nur, sich auf ein Thema zu konzentrieren und Davids Thematik (Cross Cultural Theology, Aufbau einer Internetplattform dazu) blieb dann etwas auf der Strecke. Schade. Er hat uns aber gesagt, dass er zwei Mal jährlich in Genf ist und wir haben ihn eingeladen, das Gespräch in Zürich fort zu führen. Mal schauen. Jedenfalls lässt er Nora grüssen, er hat sie vor sieben Jahren in ihrer Austauschzeit in Clarendon Hills kennen gelernt. Er war damals Chris Kollege in der Gemeinde - Fazit: die Presbyterian Church ist ähnlich klein wie die Zürcher Kirche. Und die Presbyterian Church in den anderen Staaten sind den reformierten Kirchen unserer Nachbarkantone vergleichbar. Mit allen Folgen, die das hat. Z.B. dass man sich kennt und einander schnell und unbürokratisch Kontakte vermittelt.
Wir einigen uns darauf, in dem einstündigen Gespräch vor allem auf "schwierige Themen" und Qualitätsmerkmale kirchlicher Arbeit zu sprechen zu kommen. Ein komplexes Thema ist ökumenische Durchlässigkeit und Grenzen der eigenen Kirche. Wir diskutieren die Zusammensetzung der Studentenschaft am MTC und entdecken, dass ihnen eine Durchlässigkeit hin zu mehr evangelikalen Kirchen kein Problem ist, sondern sogar erwünscht im Sinne von Gewinn durch die erhöhte Spiritualität. Tatsächlich schicken auch andere Kirchen ihre Leute zum letzten Studienteil hierher, so z.B. auch United Churches. Otis Moss war bis vor kurzem ebenfalls auf dem Board of Trustees. Der ökumenische Ansatz und der Cross Cultural Ansatz wird gepflegt und ausgebaut im Vertrauen darauf, dass die Gemeinschaft, die daraus entsteht, stärker ist als die Abgrenzung Vorteile bringt. Ausserdem finden sie, dass diese Arbeit lediglich ein Spiegel dessen ist, was "draussen in der Welt" eh schon lange vor sich geht.
So ist als das "Miteinander der Denominationen" einer der Qualitätsmerkmale ihres Kirchenverständnisses.
Wir sprechen die Frage von Zahlen an: Ist es ein Qualitätsmerkmal, wieviele (aktive) Mitglieder eine Gemeinde aufweist? Bei ihnen ist die normale Gemeindegrösse bei etwa 2500. Grosse Kirchen haben bis ca. 8000 Mitglieder (Redeemer Presbyterian Church New York). Ueblicherweise besuchen etwa ein Viertel der Mitglieder am Sonntag den Gottesdienst. Frank weist aber auch auf kleinere erfolgreiche Kirchen hin wie z.B. Immigrantenkirchen, die wenig Geld haben und viel Arbeit machen, aber erfolgreich sind.
Einen wichtigen Einfluss auf den Erfolg von Kirchen bzw. ein Hinweis auf Qualität ist auch das Mission Statement, das eine Kirche hat: Wie z.B. TUCC "Unashamedly Black-Unapologetically Christian", das auch auf dem Dack der Kirche auf einer Fahne prangt.
So ist also eine klare Ansage des Missionsverständnisses ein Qualitätsmerkmal für eine Kirche hier.
Ein weiteres wichtiges Erfolgsmerkmal ist die Frage der charismatischen Persönlichkeit des Pfarrers: Wir konnten hier natürlich ein paar entsprechenden Persönlichkeiten bei der Arbeit zusehen: Timothy Keller, Michael Pfleger, Christine Chakoian, Callum McLoed, Otis Moss III. Das ist sicher einer der Schlüsselfaktoren für eine Kirche, die sich gut entwickelt. Mit allen Vor- und Nachteilen, die Ulrike und ich dann im Anschluss auch noch diskutierten. Aber man kann das drehen und wenden wie man will: eine Persönlichkeit die das Pfarrteam leitet (hier gilt ein Semiorpastor-Associate Pastors-System mit Führungsaufgaben beim Seniorpastor) hält und zieht und zeigt Wirkung.
Ein weiteres Merkmal ist für eine Kirche, die sich entwickelt, ist eine charismatische Persönlichkeit auf dem Posten des Senior Pastor.
Ein weiteres Merkmal ist das Committment: Sowohl der Gemeindeglieder, die als FW ihre Kirche (gern und stolz) mitgestalten (sh. auch den Dokumentarfilm von Vincent Chaignat). Als auch der Behördenmitglieder, die (gern und stolz) Verantwortung übernehmen und wo das Wort "Ehrenamt" eine Funktion hat. Und natürlich auch der Mitarbeitenden von der Empfangssekretärin bis zum Seniorpastor. Ich würde das auch als "Glaubwürdigkeit" verstehen, in dem Sinn, als Person und Amt/Aufgabe im Moment der Ausübung nicht zu trennen ist.
Als weiteres Merkmal diskutieren wir "Community Outreach": Eines der "Unwörter" für uns, da es tatsächlich dafür auch keine geeignete Uebersetzung gibt. "Missionierung" ist ganz anders gefüllt als Begriff. Gemeint ist, dass eine Gemeinde wachsen darf und soll, dass das auch urevangelisch ist und dabei nichts an sich Schlechtes ist. Gemeindewachstum ist ein Zeichen für das Reich Gottes, das am Wachsen ist, nichts mehr und nichts weniger. Hier haben wir noch zu lernen!
Damit verwandt ist das Merkmal der "Discipleship", das ebenfalls kaum übersetzt werden kann. Jüngerschaft? Zeugenschaft? Jedenfalls hat es damit zu tun, dass Gemeindeglieder sich also solche gern verstehen und in und von ihrer Gemeinde lernen wollen. Vielleicht trifft es eine ursprüngliche Idee von Erwachsenenbildung am ehesten. Dass "lernen" und "spirituell wachsen" zueinander gehören. D.h. es ist selbstverständlich, dass zur pfarramtlichen Arbeit auch die "bible studies" gehören (über ein Beispiel erzähle ich nachher noch). Vielleicht könnte man "Discipleship" als inneres Wachstum der Mitglieder wie auch der Gemeinde bezeichnen, und Committment/community outreach als Zeichen auch äusseren Wachstums. Beides gehört aber untrennbar zusammen. Das ist sehr spannend, das hier so nicht nur in den Gemeinden zu erfahren, sondern auch im Gespräch zu durchdenken. Ein schönes äusseres Zeichen für die Pflege der Discipleship ist es, wenn jedes Gemeindeglied seine eigene Bibel dabei hat und in den Bible Studies und im GD daraus liest/mitliest. So kann z.B. die Lectio im Chor mit der ganzen Gemeinde gemacht werden!
Natürlich gehört die Qualität des Gottesdienstes ebenfalls zu den Qualitätsmerkmalen: Sowohl die Predigt wie die Frage der für die Gemeinde passenden Musik und Musikstile, die Liturgie, halt das, was wir mit unserem Rahmen von Tradition und Situation, Interaktion und Gestaltung meinen. Hier fühle ich mich dann ganz zu Hause.
Frank Yamada gibt uns noch ein paar Tipps:
Soong Chan Rah: The next evangelicalism als Buchtipp und fürs Internet:
Rob Bel von der East Coast
Brian Mac Laren
Diane Butler Bess
Wir kommen dann noch darauf zu sprechen, wo wir lernen, wenn wir uns weiter entwickeln wollen. Frank macht uns darauf aufmerksam, dass im "Freikirchenbereich" interessante Trends auszumachen sind. So z.B. in der Willow Creek Church, die letzthin eine grosse Studie/Analyse durchgeführt hat. Sie haben ihre Stärke gezeigt: der Comminity Outreach z.B., da sind sie super. Aber ihnen fehlt die Begleitung von "gereiften" (mature) Christenmenschen. Sie sind im Moment in einem gross angelegten Prozess als "learning organisation", um zu lernen, wie sie das besser tun können. Das hat mich ziemlich beeindruckt.
Es war eine spannende Stunde, von der als Fazit dann noch blieb: die ethischen Themen haben wir nicht angesprochen. Stimmt. Schade.
Wir sind dann gleich weiter in den Süden, zu den Bible Studies bei TUCC: Davor mussten wir noch etwas essen und haben uns dann in einer winzigen chinesischen Bude verpflegt, weit und breit die einigen Weissen. Das Essen war gut, die Bedienung freundlich, alle taten wie wenn nichts wäre, aber es blieb schon ein komisches Gefühl von Fremdheit und nicht Hierher gehören. Bei TUCC angekommen, werden wir wie immer sehr freundlich begrüsst, gehen dann ins Sanctuary (GD-Raum), wo sich bis zum Beginn der Veranstaltung ca. 250 Menschen versammeln. Auch hier sind wir (mit einer Ausnahme) die einigen Weissen. Wir werden jedoch voll integriert. Die Veranstaltung wird "video-life-gestreamt", die Twitterreaktionen darauf werden direkt auf die Leinwand gebeamt. Die die eindreiviertel-Stunde, die folgt, wird mir wohl unvergesslich bleiben. Es geht um Umgang mit Geld. Eigentlich macht Otis Moss deutlich, was passiert, wenn sich die Mitglieder seiner Gemeinde nicht an die 10-10-80-Regel halten und mehrere Kreditkarten haben. Ich werde das hier nicht alles wiedergeben. Aber es wurde sehr deutlich, dass diese Bibelstudien der Bewältigung des konkreten Alltags dienen. Und die Offenheit und die aktive Mitarbeit weisen darauf hin, dass er den Finger auf einen wunden Punkt gelegt hat. Die Bibelstelle, die dann auch noch vorkam, war übrigens Ps 116,12-14.
Zum Schluss konnten wir dann noch kurz das Programm vom 1.5. durchbesprechen, das ich für Otis in der Zwischenzeit übersetzt habe. Er freut sich nun sehr auf die Reise und auf die Arbeit mit uns. Er nennt es "Challenge" und das ist es wohl auch. Aber ein guter! Hebends guet!
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