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Für uns ist heute Ostern - auftauchen aus einer einzigen Kaskade von Gottesdiensten, Feiern, beeindruckenden Liturgien, Taufen, Predigten, Liedern, Pauken und Trompetenklängen...Von Samstag Abend bis Sonntag Abend haben wir vier Osterfeiern besucht, jede davon in ihrer Art perfekt. Es ist alles schon sehr beeindruckend!
Am Samstag versuchten wir unsere Reiseroute für die Osterfeiern zu planen, mit Hilfe von Tracy, die am Desk im Hotel Dienst tut. Sie hat uns zu verstehen gegeben, dasse es wohl nicht so eine gute Idee wäre, in die südlichen Vororte, wo St. Sabina mit Michael Pfleger und Trinity United Church of Christ mit Otis Moss sind, mit der Bahn zu fahren. Sie würde es nicht so gerne sehen, wenn wir nicht zurück kämen. Das hat uns angesprochen: Wir wollten auch keine Risiken eingehen. So habe ich mich dann am Samstag Mittag doch noch entschlossen, ein Auto zu mieten. Ein billiges, schon etwas zerbeultes, aber mit voller Deckung, falls ihm etwas zustossen sollte. Das war die richtige Entscheidung für dieses Wochenende. Nachträglich haben wir gesehen, dass es anders gar nicht machbar gewesen wäre.
Aber nun der Reihe nach: Die Zeiten für den Beginn der Osternacht in St. Sabina wurden im Internet immer wieder geändert. Wir sind dann auf gut Glück im dichten Verkehr von Chicago (Baustellen ohne Ende!) Richtung Süden gefahren, begleitet von der Sorge, nicht rechtzeitig zu kommen. Da die Chicagoer rechts und links überholen auf der vierspurigen 94iger, musste ich meinen Fahrstil ziemlich anpassen. Zügig und reckless! Mit zwanzig Minuten Verspätung trafen wir dann bei St. Sabina im südlichen Vorort von Chicago ein. Volle Kirche, szenische Lesung in vollem Gang in der dunklen Kirche. Wir hätten uns keine Sorgen zu machen brauchen: der Gottesdienst dauerte eh noch weitere drei Stunden!
Setting: Die Kirche war mit gelben und grünen Bändern geschmückt, die Band bestand aus drei Leuten, und sechs Sängerinnen und Sängern. Im Gang des Schiffes ragte die meterhohe Osterkerze auf, davon ein lag ein kleines Becken in der grösse eines Familienwhirlpools. Auf den ersten Blick waren wir die einzigen Weissen, aber im Lauf der Zeit entdeckte ich noch ein paar andere.
Liturgie: Das Aufregendste waren die Taufen. Etwa 30 Tauflinge jeden Alters wurden getauft (untergetaucht im Becken die kleinen Kinder bzw. im Pool sitzend mit einem grossen Kübel Wasser übergossen die grossen Kinder und Erwachsenen. Alle weiss gekleidet. Das war toll, Musik, Lieder, eintauchen, Applaus, Ausrufe! Einfach ein riesiges Erlebnis. Nach einer Pause kommen die Täuflinge neu gekleidet wieder zurück: so viel festliche weisse Kleidung habe ich noch an keiner Hochzeit gesehen. (Gerne zeigen wir euch dann die Fotos, wenn wir zurück sind. Ich habe irgendwie Mühe, Ulrikes tolle Fotos hier einzufügen. Susanne und Michael: ihr fehlt mir so!). Anschliessend wurden sie vorne mit Salböl gezeichnet und gesegnet. Dann die Konfirmanden, auch hier eine Segnung. Ein riesiges Event! Zum Abendmahl stand dann afrikanisches Geschirr zur Verfügung, auch hier weniger Aesthetik und mehr Echtheit. Der Wein war auch echt: etwas wie Sherry oder so!
Musik: Wie überhaupt der Gottesdienst ist die Musik an sich nichts Besonderes. Aber die Art wie sie eingesetzt wird, wie sie sich selbst im wahrsten Wortsinn ins Spiel bringt, die Band einfach anfängt zu improvisieren, sobald es stimmt. Und die Sängerinnen und Sänger bringen sich mit ihren Gospels auch einfach so ein, wie es der Moment verlangt. Ohne Noten, Liedblätter etc.
Predigt: Eine klassische Lehrpredigt, voll dogmatisch. Aber interessanterweise hatte man bei den dogmatischen Aussagen den Eindruck, in einer reformierten Kirche zu sein! Jede Aussage begann mit "We are consumed by the truth that..." und dann folgten am Ende sieben dogmatische Aussagen, die aus einem reformierten Bekenntnis stammen könnten. Am Schluss die vertrauten Worte des gemeinsamen Bekenntnisses und ein Riesenapplaus. Einfach zu Herzen gehend. Seit wann bekommt eine dogmatische Lehrpredigt ohne Bezug zum hier und heute einen frenetischen Applaus? Wir befinden uns an einem fremden Ort...
Zum Schluss konnte ich dann Michael Pfleger (den ich euch sehr empfehle, im Internet kennen zu lernen über seine Gottesdienste, die dort aufgezeichnet sind) noch Grüsse unserer Kirche und von Vincent Chaignat überbringen. Ich hatte für ihn etwas Osterschokolade mitgebracht. Ich glaube, die Ueberraschung ist gelungen.
Unser Einstieg in die Osterfeiern hätte nicht passender und gelungener sein können.
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