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Doch, es geht!
Auf gut Glück hatten wir uns für den Karfreitagsgottesdienst die St. James Cathedral heraus gesucht. Auf dem Weg dahin kamen wir an einer katholischen Kirche vorbei, aus der ein Gospelchor tönte - wir waren sehr versucht, schon hier den GD zu besuchen. Aber wir blieben dann doch beim Plan und wurden nicht enttäuscht!
Setting: Etwa 150 Menschen verteilten sich auf die sehr schöne St. James Cathedral. Der Einzug der acht Geistlichen mit dem Bischof in rotem Ornat mit Hirtenstab und Mitra in ihrer Mitte, der Chor im Chorgestühl etwas über dreissig Personen. Eher ein einfaches Publikum, von der Kleidung her zu schliessen, zu 90 % weiss, ein paar Schwarze, und noch weniger Asiaten. Der Chor und die Priester waren fast alle weiss. Beim Eingang auch hier eine freundliche Begrüssung und ein schön gedrucktes Bulletin. Diesmal brauchten wir es wirklich. Während der zwei Stunden, die der GD dauerte, folgten wir dem Geschehen über das Bulletin, sonst wäre wohl vieles nicht verständlich gewesen.
Musik: Der Chorgesang war überirdisch! Einfach Wahnsinn. Dabei haben sie keine "Kulturmusik" gesungen, sondern vor allem psalmodiert oder im Wechsel mit gesungenen Bibeltexten einzelne Stellen stimmlich vertieft. Da stimmt nun einfach alles. In aller Einfachheit des Gesangs.
Liturgie: Auch die Liturgie war einfach, doch wunderschön. Jede Geste "sass", kein Wort zuviel, keines zu wenig. Zum Abendmahl kommt die Gemeinde geordnet nach vorn, gemäss den Anweisungen auf dem Bulletin, man/frau kniet auf das Samtsims vor dem Altargitter. Mit den passenden liturgischen Begleitworten bekommt jeder/jede Gläubige eine Hostie und dann den (echten) Weinbecher gereicht, um sie hinein zu tunken und sie dann zu sich zu nehmen. "Essen" wäre hier das falsche Wort, "geniessen" oder "erleben" passt viel besser. Funkelndes, formschönes Geschirr, jedes Detail spricht seinen Teil der Symbolsprache. Einfach fantastisch!
Predigt: Die einzige Schwarze des geistlichen Staff hielt die Predigt. Vielleicht zehn Minuten. Einfach. Der Karfreitag ist die gute Gelegenheit, Trauer zu erleben und auszuhalten. Nicht gleich wieder aufzulösen, sondern bis Sonntag auszuhalten. Das ist unsere Aufgabe bis Sonntag: mit den Dingen in uns, die wir betrauern, in Kontakt kommen und die hervor gerufenen Gefühle der Irritation, der Komplizenschaft, der Scham etc. auszuhalten und zu durch leben. Lasst uns auf Sonntag warten, mit all den Gefühlen, die sich jetzt breit machen. Wir mögen am Grab stehen, die Welt beweinen, unser eigenes Leben und seine Verluste, aber der Sonntag kommt auch für uns. Auch wir werden dann wieder zum Leben gelangen. Auch wir erstehen am Sonntag auf.
Ulrike ist am Nachmittag an den Prayerwalk der 4th Presbyterian Church gegangen. Ich ruhe aus. Abends werden wir uns in derselben Kirche ein Konzert mit den sieben letzten Worten anhören. Euch allen schöne Feiertage!
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