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Dienstag nach Ostern - schon scheinen die Ostergottesdienste wieder weit weg. Bevor wir jetzt aber mit dieser Serie abschliessen, möchte ich euch doch noch den Ostergottesdienst der Presbyterian Church in Lake Forest vorstellen, den Christine Chakoian leitete, eine Pfarrerin, die ich vor über einem Jahrzehnt bei einer Presbyterian Conference in Genf kennen gelernt habe. Seither sind wir befreundet. Vor sieben Jahren war sie für ein halbes Jahr Gastmutter von Nora in deren Austauschzeit in USA - das bindet. Wir trafen früh genug ein, um vor dem Gottesdienst noch ein Osterfrühstück nehmen zu können, schliesslich waren wir ja schon seit 4.30 am auf! Lake Forest ist eigentlich ein einziger Park, in den wie zufällig hübsche Häuser eingestreut sind. Alles grünt und blüht, die Autos fahren Schritttempo. Alle Läden und Restaurants sind in den gleichen niedrigen Häusern aus roten Ziegelsteinen untergebracht, alles sehr diskret angeschrieben. Um 11 h war Gottesdienstbeginn.
Setting: Der schöne Kirchenraum mit Tiffany-Fenstern, die biblische Szenen darstellen, ist wunderbar mit Blumen geschmückt. Lilien und Hortensien, so weit das Auge reicht. Die Kirche füllt sich bis auf den letzten Platz. Es ist ein krasser Szenenwechsel zum Morgen: Kein einziges schwarzes Gesicht ist zu sehen. Lauter weisse, offenbar gut betuchte Oberschichtamerikaner und -amerikanerinnen. Aber auch sie heissen uns gleich herzlich willkommen. Wir sind in Begleitung von John, Chris Ehemann. Er stellt uns vielen Leuten vor. Alle fragen sofort nach unserem Ergehen, wo und und wie lange wir unterwegs waren, wo wir wohnen, ob es uns gefällt etc. Wir fühlen uns angenommen und wohl, schon bevor der Gottesdienst beginnt.
Musik: Der Kirchenchor, auch über dreissig Personen, trägt blaue Talare mit weissen Chorhemden darüber. Dazu musiziert noch ein kleines Orchester. Die Musik ist superb. Zum Ausgang Händels "Halleluja" - und das ist dann wirklich der passende Abschluss zu unserer Gottesdiensttour!
Liturgie: Wie überall wird die Liturgie nicht von der leitenden Pfarrerin gemacht, sondern die leitende Pfarrerin predigt (in der Regel), und die associate pastors machen die Liturgie. Auch hier sind vier Pfarrpersonen und zwei freiwillige Lektorinnen beteiligt. Diese machen zusammen mit einer Pfarrerin die szenische Lesung der Ostergeschichte. Auch schön.
Predigt: Chris Predigt ist wie immer perfekt. Ich habe schon manche Predigt und Andacht von ihr gehört (wer mag: schaut sie mal auf youtoube. es gibt einige sehr schöne Sachen von ihr). Die Gemeinde hatte in diesem Jahr drei Selbstmorde von Jugendlichen der örtlichen Highschool zu beklagen. Die letzte Beerdigung war erst vor einer Woche. Dieses Thema wird natürlich aufgenommen. Und Chris macht ihre Osterbotschaft deshalb anders: "This year it is different"...Kein Auferstehungsjubel, sondern nachdenkliches zur Sprache bringen von eigentlich unaussprechlichem. Aber mit ihrer subtilen Art und dem gekonnten sprachlichen Ausdruck ist die - traurige - Predigt trotzdem ein Genuss. Wenn auch keine Freude (Im Lauf der Woche haben die Kirchen gemeinsam einen Abend mit Psychologen zum Thema "Suizidprävention" auf die Beine gestellt: 500 Eltern sind gekommen!)
Bei anschliessenden Familienessen bei Chris und John zu Hause waren wir ebenfalls eingeladen: Vom Lammspiess über den armenischen Reis über die Salate und anderen Beilagen bis zum Cheesecake danach - einfach feierlich!
Gestern hatten Ulrike und ich dann einen Ruhetag eingelegt, was kirchliches angeht. Sie ging auf Architektursightseeing, ich habe vorwiegend herum gelegen und gelesen. Und die letzten Abmachungen geplant:
11.4.: 15 h Frank Yamada, Leiter des McCormick (Prediger)Seminars
11.4.: 19 h Bible Study mit Trinity United Church of Christ und Otis Moss
12.4.: 12 h David Esterline, Lunch, Thema: Globales Christentum und New Media
13.4.: 12 h Judy Watt, 4th Presbyterian, Pastoral Care
Noch fehlt die Abmachung mit Dave und CarolAnn. Ihnen muss ich noch die Filme von Vincent Chaignat übergeben.
Heute am Vormittag war das erste der Gespräche: Ich traf mich mit Rev. Otis Moss III zur Vorbereitung der Tagung vom 1. Mai. Das war sehr intensiv und ich musste mich wie verrückt konzentrieren. Das ist schon noch mal was anderes, zuhören und geniessen, oder sich selber möglichst nicht nur korrekt, sondern auch noch subtil und einigermassen gescheit in der fremden Sprache auszudrücken. Er freut sich sehr auf den Schweizaufenthalt. Das Programm für die vier Tage, das wir zusammen gestellt haben, passt ihm gut. Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Er freut sich auf die intensive Arbeit. Er hat mir aus dem Bookstore der Kirche ein paar Bücher mitgegeben, zum Thema "Predigt", "Mission", und "urban ministry". Und hat mir sechs Kopien machen lassen von DVD-Aufnahmen vom 1.4. - die werden dann gleich verteilt, wenn ich zurück komme. Er freut sich auf möglichst zahlreiche Teilnahme von Leuten an der Vorbereitung des Gottesdienstes für den 1.5. am 30.4. um 17 h in der Bullingerkirche. Morgen Abend sind wir zur Bible-Study eingeladen. Da bin ich gespannt, wie das hier geht. Und wie es besucht ist. Ich habe Otis Moss gefragt, wieviele Leute sein Staff hat: über 500! Für 1 Kirchgemeinde!
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