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Kleines Essay über die Kanadier, ihr Mentalität und ihre Lebensweise:
Wenn man in ein fremdes Land kommt, muss man sich an einiges gewöhnen, vor allem, wenn man vor hat, dort längere Zeit zu bleiben. Nachdem ich jetzt schon einen Monat in Kanada verbracht habe, kann ich die Kanadier, oder eigentlich die Quebecer, ganz gut einschätzen. Falls euch meine Einschätzungen interessieren, dürft ihr jetzt weiter lesen :-).
Als erstes muss man sagen, dass Kanadier im Großen und Ganzen sehr freundlich und hilfsbereit sind. Ich habe es hier noch kein einziges Mal erlebt, dass ich wegen meinem Französisch ausgelacht oder unfreundlicher behandelt wurde, wie es mir in Frankreich durchaus schon passiert ist. Diee Quebecer sind sehr stolz auf ihre Sprache und ihre Provinz und wenn man sie danach fragt, sind eigentlich alle für ein unabhängiges Quebec. Dennoch waren ein wirklich sehr knappe Mehrheit beim letzten Plebiszit für ein Verbleiben im Kanadischen Staatenbund. Aber man sieht hier an jeder Ecke Plakate oder Fyler, die dazu aufrufen, für ein unabhängiges Quebec zu kämpfen. Die Einwohner der Stadt Quebec wollen des Weiteren ihre Hockeymannschaft Les Nordiques wieder zurück, die im Jahr 1995 an die amerikanische Stadt Denver verkauft wurde. Erst neulich war eine große Kundgebung deswegen.
Das führt mich eigentlich schon zum nächsten Punkt, nämlich Hockey. Jeder Kanadier ist Hockeyfan. Jeder. Das ist wirklich noch extremer als bei uns mit Fußball, weil sich hier die Leute auf eine kleinere Auswahl an Sportarten verteilen. Solltest du den Mut besitzen, dich auf eine Diskussion über Hockey einzulassen, wage es nicht zu sagen, dass du keine Ahnung von Hockey hast und du das Spiel langweilig und etwas zu brutal findest. Glaubt mir, lasst es lieber. Ich habs ausprobiert ;-). Wenn du allerdings schlau bist, erwähnst du die 2 oder 3 deutschen Spieler, die in der Nordamerikanischen Liga spielen, am besten Marco Sturm, der in den USA spielt. Komischerweise herrscht unter den kanadischen Teams ein viel größere Rivalität als zwischen den kanadischen und amerikanischen.
Wenn du in Kanada etwas brauchst, dann bekommst du es. Egal, welcher Tag und welche Uhrzeit es ist. Auch Sonntags haben die Läden bis 20.00 Uhr offen, wochentags die meisten bis 22.00 Uhr. Was aber komisch ist: Die Kanadier wollen das gar nicht unbedingt. Jedes Mal, wenn ich erzähle, dass in Deutschland die Läden alle Sonntags geschlossen haben, sind alle begeistert. Sie sagen, dass das einfach besser wäre, weil man dann Sonntags auch wirklich zur Ruhe kommen könnte. Wenn ich dann weiter erzähle, dass es bei uns solche Traditionen wie den Sonntagsbraten von Mutti und das anschließende Kaffetrinken und Kuchenessen gibt, bei dem die ganze Familie anwesend ist, sind alle hellauf begeistert. Ich habe den Eindruck, dass den Kanadiern solche Traditionen einfach ganz fehlen, sie sie aber gerne hätten. Sie stehen aber viel zu sehr unter dem Einfluss der amerikanischen Non-Plus-Ultra-Bussiness Lebensweise, der sie sich hier einfach nicht entziehen können. Die meisten Zeitschriften sind aus den USA, die meisten Sendungen sowieso. Es gibt zum Beispiel kein "Canada's next Topmodel", aber alle schauen "America's...". Aber die Kanadier profitieren auch davon. Zum Beispiel sind hier die Elektrogeräte viel billiger, weil der amerikansche Markt so groß ist, dass sie auch relativ billig nach Kanada gebracht werden können.
Natürlich hat hier jeder eine Mikrowelle und einen Trockner, aber nicht unbedingt eine Spülmaschine.
Die Immobilienpreise sind nicht sehr hoch, dafür aber die Lebenshaltungskosten. Käse, eigentlich doch ein Grundnahrungsmittel ist abartig teuer, genauso wie Schokolade oder Ähnliches. Und was mir am meisten zu schaffen macht: Es gibt kein richtiges Brot. Und wenn man mal Glück hat, dann gibt es Baguette européenne und das kostet dann 3x so viel. Aber man gönnt sich ja sonst nichts...
Kanadier diskutieren übrigens gerne, am liebsten über moralische Themen. Diese Hobbypsychologie kann einen als bodenständige Deutsche ein bisschen nerven. Man kann schließlich nicht aus allem ein Problem machen...
Was Lustiges: Die Autos haben vorne keine Nummernschilder, sondern nur hinten. Folgerichtig gibt es auch keine Blitzer, sondern die Polizei lauert hinter der Ecke und muss den Verkehrssünder verfolgen. Das heißt natürlich, dass man kaum erwischt wird.
So, das war jetzt erstmal alles, was mir gerade so eingefallen ist.
Grüße,
Nelly
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