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''Welome on board'.
Wir schreiben das Jahr 2010, es ist der 30ste Oktober, und unser nagelneuer Manager James setzt unserem sinnlosen und von Nichtstun&Langeweile gepraegtem Arbeitslosenleben ein Ende. Seit nunmehr 2 Tagen darf sich das Waterfront Restaurant am Darling Harbour gluecklich schaetzen, zwei neue, motivierte und vollkommen ueberqualifiezierte Servicekraefte zu beschaeftigen.
Endlich ist die Zeit des Bewerbens in unglaublich vielen Restaurants vorbei - nachdem wir uns am Mittwoch in unzaehligen Bars, Cafes und Restaurants am Hafen beworben haben, wurde uns ausgerechnet im Waterfront ein Trial angeboten. Allerdings mussten wir zuerst die zweite Managerin in einem kleinen Interview von unserem nicht vorhandenen Koennen ueberzeugen:
"Koennt Ihr 3 Teller auf einmal tragen?" - "Klaaaaar!"
"Wie sieht es mit vollen Tabletts aus?" - "Sicher doch!"
"Wisst Ihr, was ein Tenderloin Steak, prawns oder oysters sind?" - "Wer weiss das denn nicht?"
Das muss die Gute so beeindruckt haben, dass sie uns ein Probearbeiten fuer die naechste Woche versprach. Nach der ersten Euphorie ueber unser erstes Probearbeiten kam recht schnell die Ernuechterung darueber, dass unsere Kenntnisse vom Servieren nicht gerade ueberragend waren.
Deshalb beeilten wir uns, um so schnell wie moeglich im Internet recherchieren zu koennen, wie man denn ein halbwegs guter Kellner wird, wie das mit den Tellern aussieht und von welcher Seite jetzt ueberhaupt Essen angereicht wird.
Nebenbei wurde dann noch die Karte des Restaurants studiert, um womoegliche Unkenntnisse ueber Gerichte auszuraeumen (und ja, es gab eine Menge Unkenntnis).
Zu allem Uebel erhielten wir dann noch einen Anruf von der 2. Managerin, die uns ein Trial fuer Freitag und Samstag anbot - so wurden aus unserer erhofften Vorbereitungswoche 2 Vorbereitungstage, die hauptsaechlich mit teurem neue schwarze Arbeitsklamottenkaufen und nervoesem Herumsitzen verbracht wurden.
Bei unserer Unkenntnis was das Kellnern betrifft, aergerten wir uns schon ueber die gekauften Arbeitsklamotten und stellten uns schon darauf ein, Anfang der Woche zum Fruitpicken nach Orange zu fahren.
Umso ueberraschender war es fuer uns, dass das Trial kaum Probleme bereitete - wir kellnerten bei unterschiedlichen Hochzeiten, so dass aus den geplanten 4 Stunden ueber 9 Stunden wurden, die hauptsaelich mit Getraenkeausschank, Tellertragen und Dauerlaecheln bestanden.
Uns wurde schonmal ein kleiner Vorgeschmack gegeben, wie sich unser taeglich Brot fuer die naechste Zeit gestalten sollte. Es war wirklich anstrengender als gedacht und ich glaube, dass wirklich viele Leute diese Arbeit unterschaetzen.
Nachdem wir fertig waren (inzwischen war es ein Uhr nachts) hiess uns James, der unfassbar sympathischste Manager der Welt willkommen - wir haetten ja nicht gedacht, dass uns ein "Welcome on board" SO stolz machen wuerde.
Der Stolz wurde aber schon bald abgeloest von einer kleinen Panikattacke: Als wir nach dem Umziehen in der Umkleide einen Schritt in die Bar machten ging ein ohrenbetaeubender Alarm los. Wir taten natuerlich das einzig vernuenftige und verantwortungsbewusste: Wir rannten los in Richtung Ausgang. Ich will ja nicht wissen, wie bescheuert wir auf den Ueberwachungskameras aussehen muessen, aber ich bin sicher, dass unsere Blicke nicht sonderlich intelligent sind.
Jedenfalls stoppten wir erst ca 500 Meter vom Restaurant, und mussten erstmal ueberlegen, was jetzt zu tun ist. Nach zahlreichen Runden Schnickschnackschnuck stand dann fest, wer James von unserer heldenhaft klugen Tat erzaehlen durfte. Zum Glueck hatte der uns eine halbe Stunde davor seine Handynummer gegeben: 'Falls mal was sein sollte'
Zum Glueck nahm James das Ganze gelassen, stellte den Alarm aus und entschuldigte sich nochmal, dass er uns praktisch eingesperrt hatte.
Jetzt haben wir beide also 3 Schichten diese Woche, noch nicht sonderlich viel, aber immerhin ein Anfang aus der finanziellen Krise. Bezahlt werden wir pro Schicht, 95 Dollar, was fuer 9 Stunden Arbeit wirklich wenig ist. Zumal wir nicht wissen, ob das ganze dann noch versteuert wird oder nicht. Das Trinkgeld wuerde zwar noch einiges dazusteuern, allerdings gibt es das nur im Restaurant. Bei Veranstaltungen wird es wohl so gehandhabt, dass der Manager das Geld einstreicht.
Der Job ist gleichzeitig aber auch mit einem Umzug zurueck Richtung City verbunden, da das staendige Pendeln mit dem Bus doch recht viel Zeit und Geld verschlingt.
Zusaetzliche Erkenntnisse der letzten Tage:
- Bestellt euch nie, NIE, eine Pizza All Meat bei Big John's, da diese eher einem Tierfriedhof als einer traditionellen Pizza gleicht. All meat heisst hier halt wirklich: Alles nur (Hack)Fleisch
- Waschmaschinen in Hostels bringen in etwa soviel wie die Klamotten einfach in eine Tonne Regenwasser schmeissen und nach 3 Minuten wieder rausholen. Mensch, waeschewaschende Muetter sind ein Luxus!
- Friseure verlangen in Bondi fuer einen normalen Herrenhaarschnitt auch gerne mal durchschnittlich 50 Dollar.
- Das Ozonloch ueber Australien ist noch lange kein Garant fuer warmes Wetter oder Sonne, im Gegenteil kommt es uns so vor, als wurde das Wetter immer schlechter, anstatt besser.
- Peanutbutter-Jelly ist geil, und definitiv eine Erklaerung dafuer, warum Amerikaner so fett sind.
Uuuuuund: Kreppel heissen hier Jam-Donuts. Die spinnen, die Australier!
- Wir sind die besten Pinball Spieler der Welt!!
- Australier verkleiden sich an Halloween als Prinzessinen und sowas, die sind so doof
xoxo
benny&jonas
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