Profile
Blog
Photos
Videos
Tag 6-9)
Endlich kann ich wieder posten. Kein Ahnung, warum, das in letzter Zeit so hinkt.
Daher jetzt das Update von 4 spannenden Wanderetagen...
Tag 6, von Moyenvic nach Chateau Alteville
Ich bin in einem echten Schloss untergekommen!!! Es ist riesig, alt (500 Jahre) und verwinkelt, etwas abgeranzt von aussen,aber drinnen modern saniert und mit Antqitäten vollgestopft.
Daneben ein Teich, dahinter ein riesiger verwilderter Garten.
Sooo romantisch. Mein Zimmer ist winzig, aber mit Badewanne und heissem Wasser.
Um 17.30 wird man zum Aperitif geladen und um 19.30 zum Dinner.
Jetzt sitze ich im Schlossgarten mit einem leckeren Bier. Kühe und Vögel machen im Hintergrund Geräusche.
Das Wetter ist weiterhin perfekt und die Wanderung heute war zwar sehr viel auf Strasse, aber es ging entlang vieler Teiche und Vogelschutzgebiete und ich querte Marsal, ein Ort mit 229 Einwohnern, das geschichtlich grosse Bedeutung hatte, da es hier eine Saline gab, die viel Macht bedeutete und Streit verursachte. (Puh, das war ein langer Satz.) Daher hat Ludwig XIV hier eine ordentliche Befestigung errichten lassen, was noch immer am Salztor ersichtlich ist.
Achja und einen Storch hab ich auch gesehen.
Tag 7, von Chateau Alteville nach Gondrexange/Xouaxange
Der gestrige Abend im Schloss Alteville war ein einzigartiges Erlebnis. Es war fast wie in einem Roman oder Krimi , ich erwartete ständig, dass noch ein Mord oder Spuk auftauchen würde.
Ich ging also am Abend in den Speisesaal. Der Herr des Hauses, David, ein eleganter Mittfünfziger empfing mich herzlich und bat dann mich und die anderen Gäste in den Salon. Wir sassen dort auf antiken Stühlen umgeben von Familienprtäts. David machte charmant alle Gäste miteinander bekannt und stellte seine ebendalls attraktive und schicke Tochter Juliette vor. Gemeinsam versorgten sie uns mit einem leckeren Cremant aus der Region als Aperitif und dazu ein Kanape .
Wir waren 12 Gäste: 3 Belgier, die mit
Ihren Mororräden unterwegs waren, ein Hobbyornitologenpärchen aus Luxemburg, ein Deutscher mit seinem indischem Freund/Gatten , eine tschechische Gelehrte, die alle mit Anekdoten versorgte und ihrem schweigsamen Gemahl und ein französisches Ehepaar.
Nach dem Aperitif ging es in den Speisesaal. Es gab erst Weisswein und Eintopf, dann Rotwein und Reis mit Tofu bzw. Roastbeef, dann Käse und schliesslich Sorbet mit selbstgemachtem Mirabellenschnaps -als Sosse. Alles wurde individuell von David und Juliette in perfekter Kniggemanier serviert.
Der Alkohol v.a. die Mirabelle und das französischreden machten mich dann aber irgendwann sehr müde , so dass ich nicht mehr zum Kaffee blieb, der, wie es sich gehört, wieder im Salon getrunken wurde.
In der Nacht blieb es trotz meiner Krimidinnerfantasien unspektakulär ruhig.
Am nächsten Tag erfuhr ich, dass David tatsächlich auch der Schlossherr ist. Seine Familie hatte vor ca. 100 Jahren das Schloss erworben. Davor hatte der Dichter, Okkultist und Satanist Marquis Stanislaus de Guatia hier gelebt.
Wenn das nicht Stoff für einen Thriller ist.
Mehr zur Geschichte:
https://www.blelorraine.fr/2025/04/histoire-du-chateau-alteville-en-lorraine/
Das heute erlebte ist schnell erzählt: Ein hübscher Tag, der leicht verkatert startete. Die Wanderung verlief entlang vieler Teiche und Kanäle (Canal Huillieres und Marne-Rhein Kanal, die gebaut wurden, um Kohle zus Saarbrücken zu transportieren).
Die Ornitologen von gestern hätten mir sicher viel von Seeadlern und Bienenfressern erzählen können, doch ich sah nur Störche und Enten.
Leider musste ich von Gondrexange 7 km Extrawanderung in Kauf nehmen, um zu meiner Unterkunft in Xouaxange zu kommen. Und leider muss ich das ganze wieder zurück gehen.
Immerhin gibt es hier ein Resraurant, das auch noch geöffnet hat. Es gibt also heute mal a la Carte!
Tag 8)
Nach ein paar Löffelbisquits und Apfelmus, die ich in meiner Ferienwohnung in Xouaxange fand, ging es ersmal den ganzen Weg von 6,5 km entlang des Marne-Rhein Kanals zurück nach Gondrexange. Dort hatte glücklicherweise eine verheissungsvoll duftende Bäckerei geöffnet und ich kaufte ordentlich Frühstück und Proviant ein.
Danach ging es eine lange Strecke über einsame Landstrassen und durch kleine Dörflein bis in den Ort St Quirin. Geradeaus vor mir, das gezackte blaue Band der Vogesen, das immer näher rückte .St Quirin, offiziell ausgezeichnet, als eines der schönsten Dörfer Frankreichs ist eine Erwähnung wert. Besonders sehenswert hier ist die barocke Kirche mit dreifachem (!) Zwiebelturm.
Anschliessend ging es bergauf und ich erreichte die Foothills der Vogesen. Der Wald wandelte sich von Laub- in Mischwald und statt der Kalksteine erkannte ich überwiegend Sandstein.
Leider wurde die Romantik der schönen Strecke durch permanentes, lautes Motorengeräusch getrübt.
Als ich vom Waldweg auf die Strasse abbog, war klar, was hier los war: ich war in ein Autorennen geraten. Es war der
54. Course de côte d'Abreschviller – Saint-Quirin -ein traditionsreiches Bergrennen.
Naja, ich brauch solchen Lärn und Gestank nicht in den Bergen. Dennoch beobachtete ich eine Weile fasziniert das rege Treiben am Start. Anscheinend kann hier jeder mitmachen. Lustige Autos reihten sich in die Startschlange ein.
Abreschvillier ist ein touristischer Ort. Ich sitze gerade in einen hübschen Cafe und warte, dass meine B&B Gastgeber um 17.00 Uhr nach Hause kommen.
Morgen geht es endlich richtig in die Vogesen und den Elsass. Mich erwarten 1000 Höhenmeter aber auch der letzte, richtige Wandertag.
Kleiner Nachtrag: Wieder mal ein spezielles B&B.Das Thema:Hexen, Hogwarts, Harry Potter .Die Zauberstäbe liegen bereit, der Nimbus und Gemälde von Dobby und Dumbledore hängen an der Wand, ein Regal voller Zaubertränke steht gleich neben dem Teeservice. Und bei langeweile kann man dich alle DVDs der HP Filme die ganze Nacht anschauen. Ein Traum!
Tag 9) 23 .5 km von Abreschvillier nach Col du Donon
Heute, am fast letzten Tag ging es endlich wieder in die Berge. Fast 1000 Höhenmeter galt es zu meistern, um auf den Donon (1008m) zu gelangen.
Am Gipfel erwartete mich ein römischer Merkurtempel. Allerdings nicht mehr die Orignalsteine, sondern ein Replikat von 1869.
Diverse Gallo-römische Relikte waren aber während der Wanderung zu besichtigen.
Z.B. Siedlungsreste und den keltischen "Pierre ou Fauteille de St Quirin"-ein gemütlicher Sandsteinsessel.
A propos gemütlich-
Für heute die letzte Nacht, hab ich mir hier am Col du Donon mal ein schickes Wellnesshotel geleistet. Ich sitze auf der Terrasse und es gab gerade Charlottekuchen mit Eis und Sahne.
Morgen früh geht es dann in ca. 2h nach Schirmeck und dann wieder mit dem Zug zurück nach Potsdam.
Das war es dann. 250 km von Metz nach Schirmeck sind geschafft.
Und damit ist das Buch komplett durchgewandert (GR5 von der Nordsee zu den Vogesen, 992 km).
- comments


