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Happy Eastern!
Wie ihr euch denken könnt habe ich Ostern dieses Jahr mal völlig anders verbracht. Aber eigentlich haben wir neben einem Kirchenbesuch Ostern ziemlich ignoriert, da wir das lange Wochenende nutzten um uns die Stadt Kisumu anzuschauen. Dazu haben wir uns, clever wie wir sind, einen persönlichen Guide angelacht. Der gute Mann heißt George und gewissermaßen kennt ihr ihn auch schon. Ihn haben wir an Janas Geburtstag kennen gelernt. Gemeinsam mit Rose haben wir ihn am Donnerstag besucht, damit unsere afrikanische Gastgeberin ihn mal unter die Lupe nehmen konnte. Nach dem Besuch in Georges Goverment Office - hola, was ein schickes Büro mit dicken Ledersesseln, amerikanischem Kühlschrank, Safe und einem riesen Schreibtisch -, bei dem uns Kenyan Tea (natürlich!), Bananen und Kekse serviert wurden, gab Rose grünes Licht: ein vertrauenswürdiger und offensichtlich großzügiger Mann. Na die Chance lassen wir uns doch nicht entgehen.
Am nächsten Morgen trafen wir George in Kakamega um von dort aus mit seinem Wagen weiter zu fahren. Auf der Fahrt überquerten wir den Äquator und sahen einige Truppen von weiß gekleideten Leuten, die den Kreuzzug von Jesus nachstellten und dazu tatsächlich ein großes Holzkreuz bei sich trugen.
Nach einer ca. einstündigen Fahrt erreichten wir sein Haus... wo er nur kurz seine Sachen abliefern wollte, da man Wertsachen besser nicht im Wagen in der Stadt liegen lässt. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass sie die Planungen seinerseits immer mal spontan änderten. Aber.... ja genau: Hakuna Matata! Ja ich habe die afrikanische Mentalität in Bezug auf Pünktlichkeit und spontane Planänderungen in den drei Tagen deutlich zu spüren bekommen. Papa, jetzt kann ich verstehen wie es sich anfühlt wenn man schon seit gefühlten Stunden bereit zur Abfahrt ist und andere (ich nenne hier keine Namen) nicht in die Puschen kommen. Aber gut, ist ja quasi Urlaub und da habe ich viel Zeit und Ruhe!!!
Als wir also an seinem Haus ankamen entwickelte sich der kurze Boxenstop als ein Kennen lernen der Familie, Lunch essen und auf der Couch ausruhen... denn wir haben ja Zeit J
Janet, Georges Frau begrüßte uns freundlich und zauberte uns gleich mal was Deftiges zu essen. Ja davon verstehen die Afrikaner was! wurde an diesem Wochenende 31 Jahre. Rik, 2 Jahre alt, lag an Malaria erkrankt auf dem Sofa und sein 2 Jahre älterer Bruder George Junior (echt wahr!!!!) tobte, anfangs noch schüchtern, zwischen uns herum. Janets jüngere Schwester lebt auch mit bei der Familie, da sie in Kisumu studiert und während unseres Besuches gesellte sich noch eine weitere Schwester (ca. 17 Jahre) von Janet zu uns, die gerade entbunden hatte. Und das bedeutete, dass wir sie und das Neugeborene kleine Baby aus dem Krankenhaus abholten und ich das kleine Ding bestaunen konnte. Das dauerte übrigens ebenfalls eine Ewigkeit, was jedoch nicht daran lag dass sie Schwierigkeit hatten dem Kind einen Namen zu geben. Nein, das ging ganz schnell. Janet schlug einen Namen vor, die Schwester ergänzte einen zweiten und schon stand die spontane Entscheidung, innerhalb von zwei Minuten hieß das Kind Pauler-Christin. Anscheinend hatte sich die frisch gebackene Mutter zuvor keine Gedanken dazu gemacht. Generell war die Freude und Aufregung um das neue Familienmitglied sehr gering.
Ja und als ob das Haus mit all seinen Bewohnern nicht schon voll genug war, bot George uns kurzer Hand an ebenfalls für die Ostertage bei ihnen zu wohnen. Nun hatten wir die Wahl zwischen ranzigem Hotel oder für ein paar Tage das kenianische Familienleben mitzuerleben. Neben dem Kostenfaktor fiel uns die Entscheidung nicht schwer, zumal wir ein eigenes Zimmer für uns hatten und nach gut einem Monat eine richtige Toilette und fließendes Wasser. Vielleicht kommen George und Janet im nächsten Jahr nach Deutschland, dann kann ich mich mit einem Zimmerchen im Keller der WG revoungieren (<< wie auch immer das geschrieben wird, Word bietet mit keine Rechtschreibvorschläge so ein Mist).
Einen kleinen Anfang zum bedanken haben wir schon gemacht. Wir haben mal ein ganz typisches Essen für die Familie gekocht: Spaghetti Bolognese << das schreibt sich auch schon so richtig schön deutsch J na auf jeden Fall hat es ihnen hervorragend geschmeckt. Janet meint wir sind wirklich gute Köche. Das Kompliment kann ich nur zurückgeben. Tatsächlich schmeckt mir das Ugali mit Gemüse und manchmal auch Fleisch wirklich gut. Nur das mit der Hand essen muss ich noch ein wenig üben. Vor allem weil ich Linkshänder immer mit der falschen, unreinen Hand esse die eigentlich nur zu hygienischen Zwecken genutzt wird. An diesem Wochenende wurden wir nicht mit zwei warmen Mahlzeiten, wie bei Rose, pro Tag verwöhnt, sondern mit drei. Ohne Witz, wir bekamen morgens zum Frühstück schon Nudeln und Würstchen. Kein Wunder, dass die Afrikaner alle so wohl ernährt aussehen.
Das war jedoch nicht die einzige kulinarische Überraschung an diesem Wochenende. Nein, ich habe mich selber sehr überrascht als ich den Fisch, den George uns kaufte, wirklich mochte. Zu Hause esse ich noch nicht mal Fischstäbchen wirklich gern und hier habe ich einen richtigen Fisch gegessen, der am Morgen erst aus dem Lake Viktoria gefischt wurde und mich auf dem Tisch auch noch anstarrte. Man hätte annehmen können dass ich schon seit Jahren dort in Kisumu lebe, denn ich habe sehr gekonnt das Fischfleisch von Gräten befreit und den Tilapia Fisch mit Gemüse garniert zusammen mit Ugali (Maisbrei) mit den Fingern gegessen... wobei ich wohl doch aufgefallen bin, wegen der falschen Ess-Hand J Jörg du darfst dich schon mal auf Fisch essen freuen, denn den werde ich dir hier andrehen.
Ja uns weiter geht es mit Ess-Erlebnissen. Wir haben George zu einem Restaurant „Green Garden Restaurant" gelotst, das von einem Deutschen geführt wird. Das mussten wir einfach probieren... die Pommes mit Schweinemedaillon in Championrahmsauce waren wirklich eine schmackhafte Abwechslung. Das Restaurant war wirklich idyllisch und dort haben wir auch einen Stuttgarter mit seinem Sohn getroffen. Er lebt schon lange hier und hat nun Land am Lake gekauft um dort einen Campingplatz zu eröffnen. Sein Sohn geht aktuell noch in Nairobi zur Schule und will dann in Aachen studieren... na der hat auf jeden Fall einen außergewöhnlichen Lebenslauf.
Oh da fällt mir noch eine indirekte Ess-Geschichte ein. Nachdem Jana und ich Janet auf den großen Wochenmarkt begleitet hatten und mit den Händen voller frischem Gemüse und Obst wieder im Auto saßen ahnte ich noch nicht was folgen würde. George hielt einige Meter weiter am Straßenrand und hielt plötzlich einen lebenden Hahn in den Händen. Dann entdeckte ich die Frau am Fenster, die auf ihrem Kopf einen Korb trug in dem ca. fünf weitere Hühner lagen, alle an den Füßen zusammen gebunden damit sie nicht wegfliegen. Irre! Ja und dann haben wir mal eben auf der Straße einen Hahn gekauft, für 700 kenianische Schilling (ca. 7 Euro). Wenn das am Flughafen nicht so kompliziert werden würde, würde ich Papa doch glatt mal ein kenianisches Hähnchen mitbringen. Der Hahn lag dann den ganzen Nachmittag im Auto, da wir gerade auf dem Weg zum Viktoria Lake waren, aber alles kein Problem „Hakuna Matata"
Apropos Hakuna Matata: ich habe König der Löwen mit den Kindern und George geguckt. Hatte ganz vergessen wie schön der Film ist. Rafiki der Affe heißt übersetzt Freund und in dem Film singt er Asante sana, squach banana... Asante sana bedeutet vielen dank. Simba heißt Löwe und Pumba sagt man hier zu vergesslichen, schuseligen Leuten.
Den Viktoria Lake haben wir ziemlich wenig bewusst gesehen, da es hier nicht so etwas wie eine Promenade gibt. Einen Zugang zum Lake war der Dunga Beach. Ein traumhaft schöner Ort, an dem die Einheimischen ihren gerade gefangenen Fisch über kleinen Feuerstellen braten, unmittelbar in der Nähe der bunten, alten Fischerboote, die am Seeufer liegen. Diese Atmosphäre konnten wir aber kaum genießen, da sich zwei selbsternannte Guides an unsere Verse hefteten. Nachdem wir einige Informationen über Bäume und Pflanzen erhalten hatten und dafür 200 ksh zahlten lehnten wir weitere Angebote ab. So mussten wir zwar auf eine Bootsfahrt zum Hippo Point verzichten, aber wirklich vertrauenswürdig waren die beiden nicht und wir hielten uns an dem Gedanken fest Nilpferde auf unserer Safari noch zu sehen. Also fuhren wir zu einer anderen Stelle am See wo ich den besagten Fisch verspeiste. Von unserem kleinen Restaurant aus, dass zwischen vielen anderen lag, konnte man die Einheimischen beim arbeiten beobachten. Keine 10 Meter weiter befand sich das Seeufer in dem sich unzählige Wasserpflanzen befinden, die von den Arbeitern heraus geschnitten werden. Andere Leute waschen dort die Autos von zahlfreudigen Kunden oder ihre eigenen Matatus und sorgen für eine unglaubliche Atmosphäre, die von Musik untermalt wird.
Eine ebenso typisch afrikanische Stimmung erlebten wir im Railway Club, einem urigen alten Pub, der aus Wellblech und Holz zusammen gezimmert ist. In diesen führte uns George einen Abend zusammen mit Janet (die sonst nie ausgeht und auch recht früh wieder los wollte - schade). Während eine Live-Band Luo (das ist das Volk, das in Kisumu weit vertreten ist) und Kiswaheli Songs spielt tanzen die Afrikaner rhythmisch auf der kleinen Tanzfläche. Viele andere, so wie wir, beobachten das Treiben von ihren Plastikstühlen (immer diese Plastikstühle überall) aus und trinken Bier und essen Ugali mit frischem Hühnchen. Die Stimmung hätten wir ohne George und Janet jedoch nicht so sehr genießen können, da wir mal wieder sehr auffielen als einzige Weiße und im fünf Minuten Takt zum tanzen aufgefordert wurden. Da war es hilfreich und entspannte und ungemein, dass wir zwei Einheimische an unserer Seite hatten.
Ja wie bereits erwähnt haben Jana und ich die Kirche besucht. Wieder einmal eine neue Erfahrung, die ich allerdings auf Grund des Predigers in dieser Kirche nicht wiederholen muss. Dieser Pastor hat gefühlte fünf Stunden gepredigt... was allein gar nicht so schlimm gewesen wäre, wenn er nicht vergessen hätte, dass er ein Mikrofon direkt an seinem Mund gehalten hat. Wow, war das laut. Da die Pastore hier mit einer solchen Energie und Kraft in der Stimme reden hätten sie sich den Verstärker wirklich sparen können. Ja aber sonst war es ein interessanter Vormittag. Es begann mit kleinen Diskussionsrunden (in den verschiedenen Sprachen: Kiswaheli, Luo, Englisch) in denen immer ca. 10-20 Leute zusammen saßen und über Bibelstellen diskutierten. Anschließend wurden, natürlich, alle Plastikstühle in Reihen aufgestellt um dem bevorstehenden Gottesdienst zu folgen. Zu beginn des Gottesdienstes fragte der Prediger wer zum ersten Mal in der Kirche ist. Na so ein Glück dass Jana und ich im Vorstellen schon so geübt sind, denn an diesem Tag konnten wir uns dann mal eben vor ca. 200 Kirchengängern vorstellen. Das ist ja ganz nach meinem Geschmack (mit Ironie zu lesen)!! Aber wie heißt es so schön: was uns nicht umbringt macht uns stark.
Während des Gottesdienstes kam ein kleines Kind zu mir und überreichte mir einen Zettel. Ich hielt dies zuerst für ein Versehen, bis ich den Text las:
"Someone want to travel out of the country. She has nothing would you help her. It has been my dream but I have no passport. My name Maureen" <<< Na wie soll man damit umgehen? Da bekommt man ein unwohles Gefühl. Zum Glück sagte eine Freundin von Janet, dass wir abwarten sollen, ob sie uns persönlich ansprechen wird, dann kann man ihr die Situation erklären.
Nachdem Georges Planung sich mal wieder kurzfristig änderte fuhren Jana und ich mit dem Matatu zurück zum Childrenhome.
Als wir gegen 18 Uhr dort eintrafen standen wir unerwartet vor verschlossener Türe. Komisch! Also versuchten wir unser Glück mal beim Kinderheim nebenan und trafen in der verrauchten Küche (da dort über offenem Feuer gekocht wurde) fast alle Mitarbeiter von Tumaini an. Die Caretaker, die Sozialarbeiterin, den Tierjungen, die Managerin und auch Rose die Direktorin.
Dort erfuhren wir, mal wieder ganz zufällig, dass sie an Feiertagen wie Ostern oder Weihnachten etwas Besonderes zu Essen machen. Denn normalerweise ist das Essen in dem Kinderheim sehr eintönig. Nur einmal im Monat wird dort Chapatie (Pfannekuchen) zubereitet wobei wir hingegen bei Rose im Haus jeden Sonntag Pfannekuchen essen.
Da ich an diesem Wochenende ja noch nicht ausgiebig genug gegessen hatte konnte ich mich dann unverhofft auch noch auf selbst gemachte Pommes mit Hühnchen freuen, die von Rose und den Caretakern in viel Fett über dem Feuer zubereitet wurden. Und dann gab es auch noch süßen Saft und Ketchup dazu. Ein Festschmaus für die Kids... und Anne J
Was mich erstaunte war, dass sich momentan nur ca. 20 Kinder im Heim aufhalten. Die anderen 30 sind über die eine Ferienwoche zu Verwandten gefahren. Dies wurde von der Regierung so festgelegt, damit diese Kinder eine Beziehung zu den Verwandten aufbauen bzw. halten können. So sind diese keine Fremden, wenn sie mit ca. 18 Jahren zu ihnen gehen um zu arbeiten.
Ja es sieht dann auch so aus, als wären die meisten Kinder bis Sonntag weg... und wir reisen am Dienstagmorgen schon ab.
Heute haben Jana und ich lange an einem Banner für das Büro gemalt. Nachdem wir mit den Klassen die Banner gemalt hatten und für die Lehrer auch ein gestaltet haben, dachten wir uns, dass es ein schönes Abschiedsgeschenk für die Mitarbeiter wäre. Also haben wir Pumba und Timon auf das weiße Laken gezaubert und colorful gemacht. Eine schöne Tagesaufgabe! Ich bin gespannt wie die letzten Tage verlaufen werden. Die Mauer wird wohl leider nicht rechtzeitig fertig zu bemalen...
Jetzt gibt es Supper (Abendessen). Nudeln mit Linsen.
Jeder von euch isst mal bitte ein leckeres Körnerbrot mit Käse für mich mit.
Bis Bald!!!
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